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Die Weltvermessung

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Daniel Kehlmann

Der Roman „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann über den Mathematiker Carl Friedrich Gauß und den Naturgelehrten Alexander von Humboldt ist zum internationalen Bestseller geworden, seit er im Jahre 2005 erschien. Die beiden gelehrten deutschen Protagonisten machen sich Ende des 18. Jahrhunderts daran, die Welt mathematisch-naturwissenschaftlich zu vermessen und kartographisch zu erfassen. Der eine kämpft sich mit seinem Reisebegleiter Aimee Bonpland durch Urwald, Steppe und Gebirge, versucht sich zäh, aber vergebens an der Gipfelerstürmung des hohen Chimborazo, befährt den gefahrvollen Orinoko, eine natürliche Verbindung zum Amozonas suchend, begegnet auf seinen großen Fahrten Kannibalen und Seeungeheuern, ein Philantroph und Weltbürger. Der andere wird zum Mathematiker und Astronom, geht nicht auf Reisen und beweist dennoch, dass der Raum gekrümmt ist. Er ist ein Misanthrop und kann nicht ohne eine Frau leben, flüchtet noch aus seinem Hochzeitslager, um eine mathematische Formel zu notieren. 1828, alt und berühmt geworden, treffen sich die beiden Genies in Berlin, und verstricken sich prompt in die politischen Wirren nach dem Sturz Napoleons. Daniel Kehlmanns Roman beschreibt episodenhaft das Leben dieser beiden großen Wissenschaftler; ein Roman über Erfolg und Scheitern, Triumph und Lächerlichkeit, Starrsinn und Größe, Philosophie und Trivialität. Ein weltweises literarisches Meisterwerk eines jungen Schriftstellers voller subtiler Komik und einer bestechenden, seltenen stilistischen Brillanz.

Dieter Kaltwasser

 

Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt, 304 S., Rowohlt 2005



 

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Scheitern am Chimborazo und Humboldts Schweigen

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Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland am Chimborazo

Die gebildete Welt beging am 6. Mai 2009 den 150. Todestag des Universalgelehrten Alexander von Humboldt. Er ist einer der berühmtesten Naturforscher und Mitbegründer der Geographie als empirischer Wissenschaft. Den am 14. September 1769 in Berlin geborenen Humboldt haben vor allem zwei Forschungsreisen weltberühmt gemacht. Die eine führte nach Westen, die andere nach Osten: 1799 bis 1804 reiste er nach Amerika und 1829 nach Russland bis an dessen östliche Grenze zu China. Sein Werk über die amerikanische Reise erschien in neunundzwanzig Bänden auf Französisch: „Reise in die Äquinoktialgegenden des Neuen Kontinents“. Eine Darstellung des Abenteuers vom Chimborazo sucht man darin ebenso vergebens wie in seinen auf Deutsch erscheinenden „Ansichten der Natur“. Die Autoren des Buches „Über einen Versuch den Gipfel des Chimborazo zu ersteigen“, das 2006 bei Eichborn erschien, suchen nach Erklärungen für das Schweigen Humboldts, stieg er doch waghalsig in eisige Höhen hinauf wie kein Mensch vor ihm. Sein Reisetagebuch der Besteigung unterbricht er im Moment des Scheiterns, der Aufstieg kann nicht zu Ende geführt werden. Oliver Lubrich und Ottmar Ette, ausgewiesene Humboldt-Kenner, geben erhellend Auskunft in einem klugen, einführenden Essay und versammeln Briefe, Skizzen und Berichte Humboldts. Doch die wirkliche Weltneuheit stellt die erstmalige vollständige Veröffentlichung des Reisetagebuchs der Besteigung des Chimborazo dar. Humboldts Reisebeschreibungen haben zahlreiche Leser fasziniert, der berühmteste unter ihnen: Charles Darwin.

© Dieter Kaltwasser

Oliver Lubrich, Ottmar Ette: Alexander von Humboldt. Über einen Versuch den Gipfel des Chimborazo zu ersteigen, 195 Seiten, Eichborn 2006



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