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Der Rodensteiner – Literarische Spurensuche im Odenwald

Woher es kommen mag, dass wir bestimmte Wege und Gegenden immer wieder mit bestimmten Jahreszeiten in Verbindung bringen, als wenn sie untrennbar miteinander verbunden wären? Frühlingswege, Herbstwege…, die uns das Gefühl geben, dass uns etwas fehlt, wenn wir versäumen, sie zu ihrer Zeit aufzusuchen? Oder warum sonst erscheint bei Herbstbeginn stets ein Bild vor meinem inneren Auge: Silberner Morgennebel über Wiesen mit Obst- und Walnussbäumen, durch die sich von Erlen und Pappeln gesäumte Bachläufe ziehen, ein Weg, der sich in die Höhe schlängelt, bis der Wald erreicht ist, mit hohen Buchen, zwischen denen der Nebel sich senkt, von der aufsteigenden Sonne zunehmend mehr in Gold getaucht, bis die Luft auf den Höhen frisch und klar die weitesten Ausblicke ermöglicht, die Lungen weitet und die Sinne belebt? Geheimnisvoll dunkle Pfade durch Nadelgehölz, hölzerne Wegweiser mit der Aufschrift „Zur Burg“, die das Kind ehrfürchtig entziffert; Fotos zeigen es mit Stock und Hut munter nebeldurchzogenen Wald durchqueren, Anhöhen erklimmen, immer hinter der nächsten Biegung eine neue Überraschung erwartend, schließlich stolz auf Felsen oder altern Burgmauern stehend, die es zu erforschen gilt, – auf den Spuren der Natur, vergangener Zeiten und alter, oft unheimlicher Geschichten. Und dies alles nicht ohne schließlich nach all dem Erlebten und neu Entdeckten hungrig von der frischen Luft einzukehren in ein schönes Café oder ein gemütliches Gasthaus.

Das Kind ist groß geworden – seiner wanderbegeisterten Mutter längst über den Kopf gewachsen und eigene Wege gehend, wie es sein muss – ist noch immer gern in der freien Natur unterwegs, wenn auch die gemeinsamen Touren selten geworden sind. Ein Telefongespräch: „Wir wollen mal wieder zum Rodensteiner, hast du nicht Lust, mitzukommen?“ „Mama, – du weißt doch, ich hab Bandprobe…“ Schwingt da ein Bedauern mit? „Dann vielleicht ein andermal? Wir wollen noch öfter hin, würden gern darüber schreiben.“ „Okay! Sagt mir Bescheid, vielleicht krieg ich’s nächstes Mal hin!“

Die Gegend, in die es uns dieser Herbsttage zieht, zählt zum Geo-Naturpark Bergstrasse-Odenwald. Sie liegt im Herzen des Odenwaldes um die Neunkirchener Höhe und die Täler der an ihr entspringenden Flüsschen Modau und Gersprenz, im Bereich der Städtchen Reichelsheim, Lindenfels, Fränkisch Crumbach und vieler umliegender Dörfer, teils in entlegenen Tälern, teils auf steilen Anhöhen; Ortschaften, in denen die Zeit innezuhalten scheint, zumindest auf den ersten Blick. Es ist die Landschaft, in der die seit Jahrhunderten überlieferte Sage vom wild umherziehenden, Krieg und Frieden ankündigenden Schnellertsherrn – oder Rodensteiner Ritter – noch gegenwärtig ist, wo Steine von längst vergangenen Ereignissen künden, als hätten sie sich gestern zugetragen.

Das lebendigste Zeugnis dieser alten Überlieferungen und Geschichten verdanken wir dem Dichter Werner Bergengruen, der diese in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in seinem „Buch Rodenstein“ einfühlsam nacherzählte. Das Buch ist derzeit leider nur antiquarisch erhältlich. Ich bin froh, es bereits vor etwa fünfzehn Jahren erstanden zu haben; zufällig stieß ich darauf in einer Buchhandlung in Michelstadt, erinnere mich deutlich der sich erhellenden Miene des Buchhändlers, als ich es ihm über den Tresen reichte: „Ah, sieh an, das Buch vom Onkel Werner!“ Von dem hier so liebevoll genannten, ursprünglich aus dem Baltikum stammenden Schriftsteller hatte ich selbst zuvor nie gehört. Auch erinnere ich mich nicht, dass er in der Schule behandelt – und somit interpretiert, zerpflückt und ganzen Generationen sauer gemacht worden wäre; es ist ihm durch glückliche Vorsehung erspart geblieben, und ich konnte „Das Buch Rodenstein“, welches mich magisch anzog, ohne Argwohn in die Hand nehmen, – um ab der ersten Zeile in seinen Bann gezogen zu werden.

„Komm, setze dich zu mir. Es ist ein schlimmer Abend heute. Aller Sommer ist tot.“

Heute, da ich es wieder hervorhole, scheint sich seine Wirkung noch verstärkt zu haben. Hat es etwas mit dem Lebensalter zu tun? Seit jeher faszinierte mich an alten Sagen, wie sich historische Begebenheiten und Figuren mit Mythen und vorzeitlichen Überlieferungen überlagern, und auch, wie Sagenstoff aus ganz verschiedenen Gegenden immer wieder ähnliche Elemente aufweist. Wo dies wohl herrühren mag? Warum sich nicht neu dem Rätsel auf die Spur begeben? Wir machen uns auf den Weg.

Von der Bundesstraße, welche Lindenfels und Reichelsheim verbindet, führt eine kleine Landstraße aufwärts zu dem einsam gelegenen Dorf Winterkasten, welches wir als Ausgangspunkt für unsere Wanderung gewählt haben. Der Name klingt nach Abgeschiedenheit, Eingeschneitsein, kündet vom Winter, erinnert an das Gelesene:

„Höre. Ich will dir ein Geheimnis sagen. Frühling stürzt in Sommer, Sommer in Herbst, Herbst in Winter. In was kann der Winter stürzen, wenn nicht in den Tod? Jeder Winter ist der letzte, wie jeder Tod der einzige ist.“

Und es ist Herbst, September noch, ein Nachklang sommerlicher Wärme, der „erste Herbst, die Zeit der brennenden Dornbüsche, der Reife, der Fülle, der Milde…“ Ein zweiter Herbst wird angekündigt, „der Herbst der nebelverhangenen Morgenberge, des fröstelnd abwärts gleitenden Laubes, der Witwenschleier früher Abenddämmerung und der großen, ewigen Stürme, aus deren Sausen das Ross des wilden Jägers schnaubt…“, – aber so weit sind wir noch nicht. Die „Rösser“, die wir erspähen, erweisen sich beim Näherkommen als zwei schwarze Esel, die sich stimmgewaltig in Szene zu setzen verstehen; sie weiden friedlich zwischen hellen Rindern auf grünen Wiesen mit alten, flammend orangerot leuchtenden Birnbäumen. Heißt der Maler Herbst oder Birnengitterrost? Es spielt keine Rolle. Die Farben haben etwas Belebendes.

Der Weg, der vom Dorf aufwärts zur Neunkirchener Höhe führt, ist steil, dafür belohnt er nach kürzester Zeit mit traumhaften Ausblicken. Bald ist der Wald erreicht, und nach einem weiteren Anstieg kommt zwischen hohen Buchen der Kaiserturm in Sicht. Mit stattlichen 605 Höhenmetern ist die Neunkirchener Höhe die zweithöchste Erhebung des Odenwaldes.

Um die Rundsicht genießen zu können, ist der hohen Bäume wegen das Ersteigen des Turms nötig. Es lohnt sich. Der Blick reicht über Melibokus und Auerbacher Schloss zur Rheinebene und ins Ried, bei guter Sicht bis hinüber zur Pfalz, im Norden über die modernen Türme Frankfurts zum Taunus, über die Odenwaldberge im Süden, und im Osten gar bis hin zum Spessart.

In der Turmstube findet sich freundliche Bewirtung und Stärkung bei gutem Kaffee und frischem Blechkuchen, halb mit Äpfeln, halb mit Zwetschgen belegt. Der Wirt lacht etwas verlegen, als ich sage: „Der sieht gut aus, – von dem nehme ich gleich zwei Stück!“ – „Das war eigentlisch bloß e Notleesung, die Quetsche waret all, da hab isch mit de Äppel weitergemacht“, erläutert er im schönsten Hessisch. Die Stimmung ist locker und fröhlich. Man sitzt unter anderen Wanderern an Holztischen im Freien und genießt die letzten sonnenwarmen Stunden. Wir gesellen uns zu einer Familie aus Dortmund – ein älteres Ehepaar und ihr erwachsener Sohn – die sich als offene, sympathische Gesprächspartner erweisen. Sie kämen schon dreißig Jahre hierher, erzählen sie. In der Nähe von Fränkisch Crumbach seien sie untergebracht, dort vor vielen Jahren „zufällig mal gelandet und dann einfach hängengeblieben“, und der Sohn, – ja, den ziehe es auch immer wieder her. Der junge Mann lacht und nickt bestätigend. Was es ist? – Die Natur, das ländliche Leben, die Höhenluft, die Ruhe, das Fehlen der üblichen Hektik, ja, und vielleicht auch das geheimnisvoll Sagenumwobene der Gegend. Nach angeregter Unterhaltung fällt es schwer, sich wieder loszureißen.

Wir kommen später los als geplant, obwohl der größte Teil der Strecke noch vor uns liegt.

Der Weg führt an beeindruckenden Felsformationen entlang ein Stück bergab zur Gersprenzquelle, der Ursprung des Flüsschens, welches in seinem weiteren Lauf einem ganzen Tal seinen Namen leiht. Ein hölzernes Schild mit dem Spruch: „Ohne dich, klein und schlicht, gäb es unsre Gersprenz nicht!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Kurz darauf lichtet sich der Wald, und hinter Pferdekoppeln kommt die malerische ehemalige Wallfahrtskirche von Neunkirchen in Sicht, der höchstgelegenen Ortschaft des Odenwaldes mit entsprechend weiter Aussicht nach Norden. Auch hier genießt man die Sonne, sitzt im Freien, auf Caféterrassen, an der Kirchhofmauer, auf dem Dorfplatz.

Ab hier stellen sich erste Zweifel ein über den weiteren Richtungsverlauf; die Markierung ist nicht mehr stimmig, offensichtlich wurde zwischenzeitlich die Wegführung geändert und unsere Karte ist zu schlicht alt. Unser Pech! Kramen in der Erinnerung. Rechts, – ja! Vorbei an der sagenhaften Heilquelle, welche auf weniger romantische Weise in einen modernen Schacht eingefasst wurde. Alte Erzählungen ranken um sie. Im Mittelalter soll sie große Pilgerscharen angezogen haben; es ist die Rede vom Leben und Wirken einer Einsiedlerin, gar der beiden legendären syrischen Ärzte und Märtyrer Cosmas und Damian, nach welchen auch die – seit Reformationstagen evangelische – Kirche benannt ist. Historische Belege gibt es wenige; die Spuren verlaufen sich im Dunkeln. So auch unser Weg, der sich hinter dem Ort durch Wiesen abwärts schlängelt. Es wird schattig und kühl, wir überqueren zwei schmale Bachläufe und erreichen erneut Wald. Hier steigt ein Pfad an zu dem mächtigen Felsrücken Daumenstein. Die interessanten Felsformationen der Gegend regen die Phantasie an; leicht lässt sich so nachvollziehen, wie alte Mythen von Steine werfenden Riesen oder in Felsspalten hausenden Kobolden zustande gekommen sein mögen.

Als der höchste Punkt der Anhöhe überwunden ist, finden sich Wegweiser auf einen Verbindungspfad, der stetig abwärts führt zur waldumstandenen Burgruine Rodenstein, dem einstigen Sitz der nach ihr benannten Adelsfamilie, um dessen Geschlecht sich so manche Sage rankt. Es ist hier nicht nur die Rede vom Rodensteiner, der mit viel nächtlichem Getöse vom Schnellertsberg hierher ziehen soll, sobald sich ein Krieg ankündigt, dessen Ende bevorstehe, sobald der Geisterzug zurückkehrt. Von vergrabenen Schätzen ist die Rede, von unerlösten Jungfrauen, gespenstischen Kutschen, wilden Waldfrauen und so manchem mehr. In der Tat wirkt die Burg verwunschen, wie sie so unvermittelt zwischen den Bäumen in Sicht kommt. Wir nähern uns ihr von der rückwärtigen Seite. Es ist still; fast niemand scheint mehr außer uns unterwegs zu sein. Eine Steintreppe führt zu einem Durchlass in der Schildmauer. Hinter uns hören wir unvermittelt einen Raben krächzen, – oder war es ein Eichelhäher? Normalerweise sind wir durch einen Vogelruf nicht zu erschrecken. Aber war nicht in Bergengruens Erzählungen einmal von zwei Raben die Rede?

Da erschallt ein munterer Ruf: „Papa!“ In einer Fensterluke des Mühlturms erscheint das Gesicht eines fröhlich lachenden Kindes, welches die Burg bereits „erobert“ hat, und nach seinen Eltern Ausschau hält, die aus einer anderen Wegrichtung herankommen. Allzu einsam ist es auf dem Burggelände jenseits der Mauer dann doch nicht. Kinder tollen über den Hof; ein Paar steht eng umschlungen am Brunnen, Bänke unter Bäumen laden sich zum Ausruhen ein. Gedenktafeln erinnern an Viktor von Scheffel und Werner Bergengruen.

Gern hätten auch wir eine weitere längere Rast eingelegt. Für diesmal jedoch können wir uns nicht allzu lange aufhalten; wir haben viel Zeit verloren und fürchten die mögliche Unzuverlässigkeit von Wegweisern, Zeitangaben und Markierungen – und die bereits relativ früh einsetzende Dunkelheit. Zudem merke ich, dass es doch zu lange her ist, seit ich zuletzt hier war, und dass meine Erinnerung an den Verlauf der Strecke erhebliche Lücken aufweist. Nachdem wir das unterhalb der Burg gelegene Hofgut passiert haben, biegen wir rechterhand in einen Weg, der vorbei am „Fallenden Bach“, einem beeindruckenden Naturdenkmal, und dem sagenumwobenen „Wildweibchenstein“ zur „Freiheit Laudenau“ führen soll.

Wir bewegen uns entlang eines Wasserlaufs zwischen Waldrand und einer bereits von abendlichen Dunstschleiern durchzogenen Wiese, auf der Kühe weiden. Bilde ich es mir ein, oder schauen sie uns seltsam an? Bald folgt ein weiterer Anstieg; wieder geht es durch dichten Wald. Markierungen sind spärlich vorhanden; an einer Gabelung, wo sich mehrere Wege teilen,  fehlen sie plötzlich völlig. Es wird zunehmend düsterer; das Licht reicht nicht aus, um jedes Detail auf der Karte zweifelsfrei deuten zu können, Navi-Muffel, die wir sind, –  und an eine Taschenlampe hat natürlich niemand gedacht. Warum, fragen wir uns irritiert, ist es eigentlich bereits um diese Nachmittagszeit so finster? Nur weil die Sonne hinter dem Berg steht? Bewaldete Hänge an der Ostseite eines für ein Mittelgebirge durchaus beachtlichen Felsmassivs sollen dies so an sich haben. Jedoch, – wer zu viele Gespenstergeschichten gelesen hat, weiß es anders. Bezeichnete nicht schon Bergengruen den Wald um die Burg als „seltsam, düster und verschlungen“? Und beschreibt eine der Erzählungen nicht „ein totes und falbes Licht, das keiner Tageszeit hörig schien“, – und ein plötzliches Gefühl, herausgefallen zu sein aus aller Zeitlichkeit? Entsprechend einem, dem „Buch Rodenstein“ vorangestellten Vers aus der Offenbarung des Johannes:

„… und schwur bei dem Lebendigen von Ewigkeit zu Ewigkeit, …dass hinfort keine Zeit mehr sein soll.“

Schaudern! Zumal der Weg immer weiter ansteigt und der Rucksack schwerer und schwerer zu werden scheint. Wie war das doch mit dem von verspäteten Wanderern gefürchteten „Höhmann, der den Leuten auf den Buckel springt und sie reitet bis sie zusammenbrechen“? Und was ist mit den „Wilden Weibchen“, deren Gebiet wir durchqueren? Eigentlich müssten wir uns doch ganz in der Nähe des nach ihnen benannten Felsens befinden? Jedoch, – auch den „Fallenden Bach“, den ich noch von früheren Wanderungen in Erinnerung habe, der als erstes hätte kommen müssen, haben wir nicht gefunden. Und diese Stille, – normalerweise suchen wir sie bewusst auf und empfinden sie keineswegs als unangenehm oder gar bedrohlich -, woher kommt sie plötzlich? Wo sind all die Spaziergänger und Mountainbiker hin, von denen es zuvor geradezu zu wimmeln schien? Und warum ist kein Vogellaut mehr zu vernehmen, – so spät kann es doch noch nicht sein? – Aber es ist nichts zu hören. Ein Schweigen, das Ohrensausen auslöst. Unbehagen.

Der Weg, der sich zur Linken hält, wirkt, als führe er auf eine Lichtung; wir beschließen, ihn einzuschlagen. Sehenswürdigkeiten hin oder her, – wir wollen nur noch aus diesem Wald raus. Tatsächlich führt er auf eine freiliegende Wiese. Weidezäune und Nussbäume kommen in Sicht, noch einmal steigt er nahezu senkrecht an, dann sind auch Häuser zu sehen. Die „Freiheit“! Damit haben wir nicht zu rechnen gewagt. Wir hatten den Ort, der diesen – wie wir inzwischen finden, durchaus passenden – Namen trägt, weil er früher auf seiner Gemarkung Flüchtlingen für einige Tage Asyl bot, viel weiter entfernt vermutet. So hatten wir unseren Weg unfreiwillig abgekürzt. In unserer leicht mitgenommenen Verfassung sind wir froh darüber. Auf einmal wirkt hier draußen alles noch recht hell, auch wenn die Sonne hinter dem Berg verschwunden bleibt. Es gibt ein jahrhundertealtes, gemütliches Gasthaus, wo uns eine stärkende Tasse Kaffee sicher ist.

Wir sind die einzigen Gäste, die eigentliche Kaffeezeit ist vorüber, Abendessen noch nicht an der Reihe. Bei Lampenlicht und Kerzenschein löst sich die Beklommenheit in Gelächter auf. Schon jetzt beschließen wir, dass ein weiteres Mal hierherzukommen, um die versäumten Stätten aufzusuchen.

„In diesem Gasthaus saß Bergengruen mit den Bauern der Umgebung zusammen, um ihnen die alten Geschichten zu entlocken“, sagt mein Partner, „ich kann mir das schon so vorstellen, hier hat er eine Runde Kirschwasser um die andere ausgegeben, und sie haben ihm erzählt, was er hören wollte.“ „Seien wir froh, dass er es getan hat“, gebe ich zu bedenken, „selbst wenn jeder die Geschichten mit seiner eigenen Phantasie und entsprechenden Ausschmückungen bereichert haben mag, was sicher schon ihre Vorfahren nicht unterlassen haben, so bleibt uns auf jeden Fall eine Sammlung herrlicher, unverwechselbarer Erzählungen, und der Kern dieser überlieferten Geschichten bleibt dennoch erhalten und zieht sich wie ein roter Faden durch alles hindurch. Wichtig ist wahrscheinlich weniger, was sich wirklich ereignet hat, und ob es sich überhaupt so oder ganz anders zugetragen hat. Was ich mich frage, ist, warum es die Menschen so beschäftigt, – auch uns heute, die wir uns für so viel klüger halten.“ Wir haben das Gefühl, mit unserer Entdeckungsreise noch lange nicht am Ende zu sein.

Als wir nach draußen kommen, hat die Dämmerung endgültig eingesetzt, aber es stört uns nicht. Der letzte Wegabschnitt zurück nach Winterkasten führt – wenn auch nochmals bergauf – über freies Feld und bietet einen weiten Blick über Hügel und tiefer gelegene Dörfer. Wir wandern zwischen Obstbäumen, Hecken und Wiesen, unter einem rotgolden-türkis leuchtenden Abendhimmel. Die silberne Sichel des zunehmenden Mondes steht tief am Horizont, während nahe unseren Köpfen Fledermäuse ihre munteren Flugkünste vorführen. Wahrlich eine sagenhafte Gegend!

*

In den folgenden Tagen vertiefe ich mich erneut in Bergengruens Geschichten, lese mich fest, gerate darüber in eine eigenartige Unruhe. „Ich frage mich“, sage ich zu meinem Partner, „welcher aus der großen Sippe der Rodensteiner geht denn nun um? Bergengruens Geschichten sind eine kunterbunte Sammlung, erzählen bald von diesem, bald von jenem. Es tauchen Namen auf, die nicht in den Familienchroniken belegt zu sein scheinen, – und der Gründe, weshalb einer möglicherweise keine Ruhe finden kann, sind so manche angeführt. Bergengruen spricht vom ‚Unbeendeten‘, was vieles bedeuten kann. Eine Aufgabe, die nicht zu Ende geführt wurde. Ein Nicht-loslassen-können, Sich-Klammern an irdische Güter, – nächtliches Herumreiten, um Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. Oder eine ungesühnte Schuld?“ – „Und dieser finster dreinblickende Geselle, der auf den Tafeln am Sagenrundweg bei der Burg abgebildet ist? Ist es nicht die Abbildung einer Steinskulptur in der Kirche von Fränkisch Crumbach? Dort ist die Grablege der Rodensteiner, die sollten wir uns dann doch mal genauer anschauen.“ – „Worauf warten wir noch? Fahren wir hin!“

Das Heimatmuseum in Fränkisch Crumbach befindet sich nahe der Kirche in einem zum Schloss gehörenden Kellerbau. Es öffnet nur an Sonntagen für jeweils zwei Stunden. Wir werden von den beiden betreuenden Herren freundlich empfangen; offenbar sind wir die einzigen Gäste des Nachmittags. Die Räume sind klein, liebevoll gestaltet und enthalten unter anderem eine Ausstellung über historisches Handwerk, welches sich in den Dörfern des Odenwaldes noch lange in alter Tradition erhalten konnte. In Fränkisch Crumbach übte beispielsweise der letzte Simmermacher Deutschlands noch bis 1976 sein Handwerk aus. Die alte Herstellungsweise jener geeichten Hohlmaße, die jahrhundertelang in Gebrauch waren, ist hier anschaulich dokumentiert. In einem Raum gibt es einen alten Kaufladen zu bestaunen, an den man sich im Ort noch lebhaft erinnert, und das Thema Ritter und Burgen wurde vor allem für Kinder interessant aufbereitet, so dass sich auch für Familien ein Besuch lohnt. Über die Rodensteiner selbst hingegen findet sich nur weniges an Urkunden und Literaturauszügen, die uns zumeist bereits bekannt sind. Wir fragen, ob die Kirche zu besichtigen sei. Man führt uns hinein.

Es ist eine schlichte kleine Kirche romanischen Ursprungs, mit einem schönen spätgotischen Sterngewölbe über dem Chor, in dem zahlreiche Epitaphien der rodensteinischen Familie zu finden sind. Uns interessiert jedoch vor allem ein weiteres an der Nordwand des Langhauses. Es zeigt den Junker Hans III. von Rodenstein und ist von kunsthistorischer Bedeutung; es wird dem großen Bildhauer Hans Eseler von Amorbach zugeschrieben. In der Tat macht die auffallend schlanke Gestalt des Ritters mit den scharf geschnittenen Gesichtszügen, der durch die plastische Erscheinung seiner teilweise von der Steinplatte losgelösten Figur geradezu aus der Wand zu treten scheint, einigen Eindruck.

Wer war er? Wohl weniger der leichtsinnige Trunkenbold aus Viktor von Scheffels Lied, welcher „zu Heidelberg im Hirschen“ mal eben auf die Schnelle drei Dörfer verzechte, – den Eindruck macht er uns nicht. Auch liegt er selbst nicht in dieser Kirche begraben, sondern in Rom, auf dem Campo Santo Teutonico, wo er auf einer Pilgerreise im Heiligen Erlassjahr 1500 in einem für damalige Verhältnisse stolzen Alter von 82 Jahren verstarb. Dies alles deutet auf eine eigenwillige Persönlichkeit. Es soll sich bei ihm um einen streitbaren Ritter gehandelt haben, – zweifellos mit einem bewegten Leben, welches zahlreiche Kämpfe und Fehden beinhaltete, – auch Raubzüge? Wir wissen es nicht. Wohl gab es zu dieser Zeit nachweislich Raubritter im weitläufigeren Familienkreis; von ihm selbst jedoch ist solches weder bewiesen noch widerlegt. Seine späte Pilgerreise zeugt von Zähigkeit und großer Glaubens- und Willenskraft. Hatte er Schuld auf sich geladen? Frau und Kind auf dem Gewissen, wie es in der Sage heißt? Historisch belegt ist nur, dass er sehr spät heiratete. Seine Frau war bedeutend jünger als er, zum Zeitpunkt der Heirat fast noch ein Kind; schwer anzunehmen, dass sie glücklich war. Von ihr sind keine Todesdaten überliefert; niemand weiß, wie lange sie lebte. Jedoch gingen aus dieser Ehe mehrere Kinder hervor, die das Erwachsenenalter erreichten. Dass die Nachkommen mit nicht geringem Aufwand dies Denkmal durch einen herausragenden Künstler der damaligen Zeit errichten ließen, verweist auf Respekt und Ehrerbietung.

Wir verlassen Fränkisch Crumbach und fahren zur „Freiheit“, wo wir auf der Caféterrasse zunächst einmal köstliches Bauernhofeis – Apfelzimt-Parfait mit frischer Sahne! – verzehren. „Allmählich kann ich mir so einiges zusammenreimen“, sage ich, während ich den Kirchenführer durchblättere. „Was meinst Du?“ – „Nun, die ganzen Geschichten basieren auf Sagen aus sehr viel früheren Zeiten, sind wesentlich älter als das Geschlecht der Rodensteiner. Bereits lange davor ist die Rede von einem Schnellertsgeist, der – deutlich hörbar, jedoch nie sichtbar – durch die Lüfte ziehen soll. Ähnlich sind die alten Schilderungen vom Wilden Heer der Raunächte, die in vielen Gegenden geläufig sind. Auf dem Schnellertsberg befinden sich ebenfalls Reste einer Burg auf dem Bergkegel. Aber lange vor Erwähnung dieser Burg soll es dort in vorchristlicher Zeit eine Totenkultstätte gegeben haben. Der Umzug des Totenheers nimmt also für die hiesige Gegend dort ihren Ausgang. Er war nicht nur gefürchtet, sondern durchaus auch erwünscht, wurde er doch mit Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Die Felder, über die die „Wilde Jagd“ zog, gediehen nach Überzeugung der Bauern. Und es gab die verücktesten Geschichten: Sie sei immer durch das selbe Gehöft gezogen – zum einen Scheunentor hinein, zum anderen wieder hinaus, welch ein Spektakel! -, von nächtlichem Beschlagen der Pferde in der Schmiede und vom Kochen des wilden Heers in Küchen ist die Rede, vom wilden Durcheinanderwerfen von Töpfen und Geschir.“ – „Aber es gab die Reichenberger Protokolle, eidesstattliche Zeugenaussagen von Bauern, die im achtzehnten Jahrhundert in Reichelsheim gesammelt wurden, um dem Phänomen auf die Spur zu kommen…“ – „Und alle berichteten Ähnliches. Aber erst lange nach dem Aussterben der Rodensteiner musste nun nach und nach Junker Hans als Gespenst herhalten. Und weshalb? Schau dir das Denkmal an! Wo ist es platziert? Alle anderen Epitaphien stehen weit vorn im Chor, – es ist kaum möglich, sie während des Gottesdienstes von der Nähe zu betrachten. Nur das Auge des Junkers Hans ruht streng auf der Gemeinde. Ich stelle mir vor, wenn Kinder mit in der Kirche waren und sich während der Predigt langweilten, hatten sie, sofern sie mit ihren Eltern auf der linken Seite im Kirchenschiff saßen, Zeit genug, die Gesichtszüge des Rodensteiners zu studieren und sich hinreichend zu gruseln. Und was passierte wohl, wenn sie nicht still sitzen wollten?“ „Dann sagten die Erwachsenen: Benimm dich, sonst kommt er raus und holt dich!“ „Jede Wette, er wurde zum willkommenen Kinderschreck für überforderte Eltern? Wie Hans Trapp im Elsässischen – oder überall zur Weihnachtszeit Ruprecht oder der Pelznickel! Und als die Kinder groß wurden und irgendwann Ärger mit dem eigenen Nachwuchs hatten, erinnerten sie sich daran und behalfen sich auf dieselbe Weise! So war es mit der Zeit  eben auch der Rodensteiner, dem der Spuk zugeschrieben wurde. Durch sein Epitaph hatte man ein Bild vor Augen, – war er eine greifbare Figur, unter der man sich etwas vorstellen konnte.“ „Und der spätere Rodensteiner, der zwei Frauen gehabt haben soll und auf seinem Epitaph mit beiden abgebildet ist?“ „Heiratete die zweite erst nach dem Tod der ersten. Die erste Ehe war kinderlos. Aber nichtsdestotrotz ranken allerlei merkwürdige Geschichten um rodensteinische Frauengestalten. Von einer Schönen aus dem Morgenland war die Rede, die ein Rodensteiner von einem seiner Eroberungszüge mitgebracht haben soll, oder die ihn – anderen Quellen zufolge – unterwegs aus Gefangenschaft rettete und bei der Rückkehr von dessen Frau mit aufgenommen wurde, aber auch von Aufspaltung einer Person in zwei verschiedene, dass ein und dieselbe Frau einmal in einer, mal in anderer Gestalt erschien. Mehrfach wird übrigens über rodensteinische Burgherrinnen berichtet, die nach Männerart ritten, mit Falken jagten, belesen waren, also auf andere Weise lebten als üblich – vielleicht auch auf andere Weise liebten, wer weiß? -,  und denen man letztlich, wie meist in solchen Fällen, nachsagte, sich auf allerlei Hexenkünste zu verstehen.“ – „Der Ursprung der Sage der Wilden Weibchen?“ – „ Ach ja, die Wilden Weibchen! Da wollte ich doch hin! Wie spät ist es? Allzu lange ist es nicht mehr hell, aber weit ist es von hier aus nicht, – diesmal nehme ich den richtigen Weg.“ – „Ich würde lieber hier bleiben und noch weiterlesen.“ „Macht nichts, dann gehe ich allein, – das hier ist Frauensache! Ich bin bald wieder hier!“ „Lass dich nicht von ihnen wegfangen!“ „Keine Sorge, – ich wette, die bringen mich freiwillig zurück!“ Wir beschließen, uns danach zum Essen wieder im Gasthaus zu treffen, es ist gemütlich und hat eine ansprechende Karte mit vielfältigen Angeboten aus der Region, außerdem eine Herkunftsliste all seiner verwendeten Produkte, bei der großer Wert gelegt wird auf ökologischen Anbau und gesunde Tierhaltung, – Punkte, die uns wichtig sind. Ich mache mich auf den Weg.

Der Wald hat sich verändert seit unserer Wanderung zwei Wochen zuvor. Das Laub der Buchen beginnt sich kupfern zu färben, die Ahornbäume und Hainbuchen leuchten goldgelb. Wird der „zweite Herbst“ bald einsetzen? Aber noch ist die Luft mild und fühlt sich gut an. Buchfinken hüpfen durch die Zweige, ein Rotkehlchen singt sein Lied allein für mich; wieder ist außer mir niemand mehr unterwegs. Wenn ich nach oben schaue, sehe ich letzte vereinzelte Sonnenstrahlen durch das bunte Laub scheinen. Diesmal hat der Wald hat nichts Düsteres mehr für mich. Ich überwinde die Steigung mühelos und stehe endlich vor dem Wildweibchenstein, einer mit dunkelgrünem Moos überwachsenen, beachtlichen Felsformation. Wer sich, wie ich, auf dem oberhalb verlaufenden Weg nähert, sieht zunächst nur den oberen Teil, welcher bereits für sich genommen beeindruckend wirkt. Beim Herantreten jedoch wird deutlich, dass der Hang dahinter steil abfällt, und es sich hier nur um die Spitze eines riesigen Felsengebäudes handelt, welches sich viele Meter tief hinunter erstreckt und zerklüftet wirkt. Ein markantes Naturmonument allemal, – allein von seiner Erscheinung her geeignet, einen jener magischen Orte vorzustellen, an dem die Grenzen zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt durchlässiger sein mögen als anderswo.

Ich lehne mich an das weiche, noch sonnenwarme Moos der Steine, in dem Bewusstsein, letztlich als Fremde hier zu sein, – als Eindringling in eine Welt, deren Gefüge ich nur entfernt erahnen kann, ohne es zu erfassen. Kommt es mir überhaupt zu, mich über sie zu äußern? Dennoch fühle mich auf eine nicht deutbare Weise willkommen. Man sagt den Waldweibchen durchaus Gutes nach; sie stehen im Ruf, auf der Seite der einfachen Leute zu sein, hilfreich und dienstbar schlichten Gemütern, Mittellose beschenkend, vor schwerwiegenden Ereignissen warnend,  von Schwangeren um die Gewährung einer leichten Geburt ersucht, unschuldig Verfolgten Zuflucht gewährend, – unerbittliche Streiche spielend nur jenen mit unlauteren Absichten, – wie jener, den Frieden zu stören oder sich auf unlautere Weise zu bereichern.

Bleibt noch immer die offene Frage nach der Anziehungskraft dieser alten Geschichten, der wir uns so schwer entziehen können. Vielleicht doch, weil wir spüren, dass sie in unserem tiefsten Inneren etwas mit uns selbst zu tun haben, – mit unseren Fragen, Wünschen, Ahnungen und Befürchtungen. Mit Grenzsituationen, Ausgeliefertsein an Naturgewalten, aber auch an menschliche Willkür, Bedrohung der Existenz durch Krieg und Gewalt, die Furcht vor dem „Unbeendeten“, die Angst, zu früh abberufen zu werden, Aufgaben nicht zu Ende führen zu können, unbewältigte Schuld nicht gesühnt zu haben, – die Auseinandersetzung mit dem Tod als unausweichliche Grenze irdischen Lebens, immer einhergehend mit der Hoffnung auf ein ewiges Fortfließen, auf Umwandlung statt Endgültigkeit. Denn die Endgültigkeit, – die ertragen wir nicht.

Zeit für mich zu gehen. „Ich schreibe nur Gutes über Euch, – versprochen!“ flüstere ich. Ein leises Rascheln im Herbstlaub. Zwei kleine Vögel, die sich in die Zweige der Bäume aufschwingen.  Buchfinken. Dem Gefieder nach Weibchen. Weibchen? Sie pflegen doch im Herbst meist fortzuziehen, – nicht umsonst nennt man den Buchfinken auch „Junggesellenvogel“! Blättere im Gedächtnis in Bergengruens Geschichten um den Wildweibchenstein. Natürlich! Zwei Glühwürmchen, – als die Glühwürmchenzeit längst vorüber ist! Und zwei Zitronenfalter! Warum also nicht zwei Buchfinkenweibchen?! – Ich werde wiederkommen. Vielleicht noch diesen Herbst, auch wenn es bereits „der zweite“ sein sollte. Spätestens jedoch im Frühjahr, wenn der „Fallende Bach“ besonders viel Wasser führt und dann ein besonders großartiges Naturschauspiel bietet.

*

Ein Telefonat: „Hey! Was macht euer Rodensteiner?“ – „Oh, ich denke, es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Wir wollen nochmal hin, Fotos von der Burg machen. Letztes Mal war das Licht nicht so gut.“ – „Wann?“ – „Morgen.“ – „Trifft sich gut, morgen hab ich frei!“


Es ist ein traumhaft sonniger Novembertag, Allerseelen. „Jede Herbstnacht heißt Allerseelen.“ Onkel Bergengruen lässt grüßen! Der Wald: Eine fast unwirkliche Sinfonie aus Goldtönen. Wir fahren bis zum Hofgut und klettern zur Ruine hinauf. Das Kind von einst – mir inzwischen längst über den Kopf gewachsen – steht staunend. „Ich hatte kaum noch Erinnerungen, aber so allmählich stellt sich alles wieder ein.“ – „Der Streckenwart vom Odenwaldklub, bei dem ich wegen der zweifelhaften Wegmarkierung fragte, hat mich doch glatt ausgelacht und gesagt, das sei kein Wunder bei meinem alten Kartenmaterial! Wie muss ich das denn finden? Dabei ist es doch gar nicht so lange her, dass wir zuletzt hier waren, oder?“ Sohnemann lacht. „Hast du nicht eben selbst erwähnt, wie klein ich damals noch war?“ – „Stimmt. Hat wohl doch Recht, der gute Mann. Mir war, als sei es gestern gewesen.“

Wir sitzen im stillen, sonnigen Burghof, – außer uns ist an diesem frühen Nachmittag niemand hier -, und lassen die Stimmung auf uns wirken.

Drei markante Bäume fallen ins Auge: Eine altehrwürdige Linde im Innenhof nahe beim Brunnen, unweit von ihr zwischen innerer und äußerer Mauer eine mächtige, hohe Eiche, sicher mehrere hundert Jahre alt  – wenn sie erzählen könnte! – und an der Böschung vor dem Tor zum Innenhof eine Walnuss, etwas schief gewachsen, aber seit langer Zeit allen Widrigkeiten trotzend. Immer wieder die Nussbäume, – auch sie kennzeichnende Merkmale für das Rodensteiner Land. Zur Talseite hin, über die Dächer des Hofgutes hinweg, ein traumhafter Ausblick über Wiesen mit rotglühenden Kirschbäumen bis hin zum Reichelsheimer Schlossberg und den dahinterliegenden bewaldeten Hügeln, die sich etwas blasser im Dunst abzeichnen.

So mancher war hier über die Jahrhunderte auf der Suche nach vermeintlich vergrabenen Schätzen, bereit, notfalls seinen Seelenfrieden dafür aufs Spiel zu setzen. Und wir Suchenden heute? Gelangen einmal mehr zu der Überzeugung, dass es zuweilen genügt hätte, den Blick vom Boden zu heben, um zu sehen, dass die wahren Reichtümer nahe vor Augen liegen.

Bettina Johl

Literatur:

Werner Bergengruen: „Das Buch Rodenstein“, insel taschenbuch, Frankfurt am Main und Leipzig 1996, 444 Seiten (zurzeit vergriffen, antiquarisch erhältlich)


Mehr Fotos unter:

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Links:

http://www.ruine-rodenstein.de/

http://www.fraenkisch-crumbach.de/

http://www.modautal.de/

http://www.reichelsheim.de/

http://www.zurfreiheit.de/

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Die Lütte – Eine Kurzgeschichte

von Bettina Johl

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Das Land verschließt sich die ersten Tage, immer, auch bei jährlicher Wiederkehr. Fremd liegen die Hügel, dunkel und verschwiegen die Kiefernwälder, – selbst ihren Duft – Inbegriff des mecklenburgischen Sommers, auf den du dich das Jahr über freutest, wie auf nichts sonst – scheinen sie zurückzuhalten. Jeder Grashalm scheint dich abzuweisen, dir die Frage zu stellen: „Was willst Du hier? Was suchst Du?“ Und du bleibst die Antwort schuldig, stehst ratlos, weißt nur, dass dir die Zeit weglaufen will, – drei Wochen sind verdammt kurz, ja, aber was will ich denn eigentlich hier?

Und es hilft nichts, – erst wenn du aufgehört hast, dir den Zugang mit Macht erkämpfen zu wollen, wenn du aufhörst, alles auf die gewohnte Art an dich reißen zu wollen, wenn du akzeptiert hast, dass diese Natur in ihrer weitgehenden Ursprünglichkeit ohne dich auskommt, sich zu Recht verschließt, dich nicht braucht, – und wenn du die Trauer darüber erneut zulassen kannst, dann erst merkst du, wie sich der Rhythmus zu verändern beginnt – oder bist es du selbst? Du beginnst, unmerklich einzutauchen, mit der Gegend zu verwachsen, wirst ein Teil von ihr, bis du merkst, dass es am Ende der dir hier verbleibenden Zeit für eine schmerzlose Trennung längst wieder einmal zu spät ist.

In flirrender Mittagshitze die schattigen Alleen entlang gehen, barfuß über sandigen Boden, ohne bestimmtes Ziel, einfach nur zu dem Selbstzweck des Unter-Bäumen-entlang-Laufens. Überhaupt: Solche Bäume! Mächtige Riesen, von denen jeder einzelne zuhause locker als Naturdenkmal durchginge. Hier bilden sie lange Tunnels, grün überwölbte Säulengänge, jede Art auf ihre Weise. Lindenalleen, im Sommer dunkel, geheimnisvoll, zugleich Schutz und Schatten gewährend. Höher, imposanter noch die Kastanienalleen, – immer wolltest du auch einmal ihre Blütezeit in dieser Gegend erleben, nie kam es dazu. Eichenalleen, majestätisch erhaben – beinahe unwirklich -, an gotische Kathedralen erinnernd. Gotisch, mit sehr viel Oberlicht, die hohen Eschenalleen, – eintauchen in flirrendes Hellgrün. Heller und unbeschwerter noch die Birkenalleen, trotz hohen Alters der Bäume Jugend und Fröhlichkeit ausstrahlend. Auch Obstbaumalleen fandet ihr hin und wieder: Eine Allee von alten Apfelbäumen entlang einer Nebenstrecke, die ihr oft nahmt, um auf dem Weg zu Freunden abzukürzen. Immer wieder Birnbaumalleen, einmal sogar eine kleine Allee von Pflaumenbäumen, meist an entlegeneren Straßen, auf denen euch auf rumpelndem Kopfsteinpflaster kaum ein Fahrzeug begegnete. Wenn doch, musste eines der Enge wegen auf den sandigen Seitenstreifen ausweichen, Staub wirbelte an trockenen Tagen auf; mit dem Weiterfahren musste gewartet werden, bis die Sicht wieder frei war. Straßen, die ins Nichts zu führen schienen, an deren Ende schließlich aber immer doch noch ein letztes, ein allerletztes Dorf lag, manchmal nur aus fünf Häusern bestehend, wo Scharen frei laufender Hühner und aufgeregt schnatternder Gänse mitten auf dem Weg dich am Vorankommen hinderten, was dich nie störte, solange kein Einheimischer von hinten Hupkonzerte veranstaltete und zu halsbrecherischen Überholmanövern ansetzte. Ende der Welt? Wohl doch nicht, denn auf dem Schild saht ihr die Vorsilbe „Groß-“ dem Ortsnamen vorangestellt; ein weiteres Schild am Ortsende, an einer Straße, die eigentlich nur mehr noch ein Sandweg war, verwies auf den nächsten mit „Klein-“ beginnend, und es bereitete euch gewisses Vergnügen, euch vorzustellen, wie klein dann erst dieser sein mochte.

Wenige, die sich in selbige entlegene Gegend verirrten. Es war gerade die Ruhe fernab der touristisch bereits erschlossenen Orte, die euch anzog. Hin und wieder suchtet ihr natürlich auch die äußerlich attraktiveren Plätze auf, – um hernach stets wieder gern in die Stille dieses zurückgezogenen Landstrichs abzutauchen. Eine Stille – Balsam für euch, für viele der hier Lebenden jedoch – ihr wusstet es, bekamt es in Gesprächen mit – nervenzehrend, Friedhofsruhe bedeutend. Die Ortschaften ähnelten sich: Ein verfallener Gutshof, umstanden von teilweise genutzten Genossenschaftsgebäuden, einige schlichte, kleine Häuser, dazwischen ein, zwei große Plattenwohnbauten. Sandige Wäscheleinenplätze, mehrere Reihen kleiner Doppeltüren-Garagen. Dazwischen ungehindert wachsendes Gras, Königskerzen und halbwild wachsende Stockmalven, hohe Bäume. Nirgendwo die geringsten Symptome zwangsverhaltensartigen Heckenschneidens und Rasenmähens. Idylle in der Unaufgeräumtheit; – an die Hässlichkeit sozialistischer Bauvergangenheit und der dem Verfall preisgegebenen Häuser aus Zeiten davor gewöhntet ihr euch, – auch Ruinen lässt sich mancher Charme abgewinnen -, freutet euch an der Natur, die hier überall dazwischen Raum fand, – nahezu grenzenlosen Raum.

So auch das Dorf, in dem ihr des Öfteren bei einer Freundin zu der einen oder anderen Tasse Kaffee Station machtet. Sie besaß ein Grundstück unmittelbar gegenüber dem  Plattenbau gelegen, in dem sie wohnte; dazwischen eine Durchgangsstraße mit weißem Mittelstreifen, auf der es sich niemand einfallen ließ, auf etwaige Geschwindigkeitsbeschränkungen zu achten. Kein Überweg. Überqueren ein tägliches Abenteuer, wenn nicht ein Alptraum. Sie bewirtschaftete auf dem jenseitigen Grundstück Stall und Garten, während sie, nachdem ihr Mann nicht lange nach der politischen Wende plötzlich bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war, das neu gebaute Haus darauf vollständig der Tochter überlassen hatte. Auf dem Hof tummelte sich stets eine Vielzahl an Tieren, nebst Hühnern, Tauben und einem betagten Pony, einige Hunde und Katzen, die sie zum Teil verletzt auf jener Straße aufgesammelt und unter Einsatz ihrer Liebe und ihrer Ersparnisse, die für die teuren Tierkliniken draufgingen, aufgepäppelt hatte. Das Ganze hatte bei allem eine tragische Komik, und einen ihrer berühmten Sätze: „Die Katze war halb tot! Mindestens!“ zitiert ihr bis heute immer wieder gern; er wurde gewissermaßen zum Running Gag. Jene Katze, von der er handelte, war eine vielbewunderte Schönheit, dreifarbig – Glückskatze! -, mit glänzendem Fell, die noch ein recht langes Leben haben sollte. Ihre schlimme Vorgeschichte war ihr fast nicht anzusehen, außer, dass sie in der Bewegung etwas trudelte, ihre Hinterbeine beim Gehen ein wenig in eine andere Richtung steuerten. Dies schien sie jedoch kaum zu stören; sie schaffte es sogar, ohne Hilfe auf die Fensterbank zu springen. Sie teilte die Wohnung und den Platz im Herzen ihrer Retterin mit einem kleinen, ebenfalls einst zugelaufenen Hund unbekannter Rasse, der sich stets buchstäblich vor Freude überschlug, wenn er euch nach einem Jahr wiedersah, keinem von euch mehr von der Seite weichen wollte und euch häufig bei euren Streifzügen begleitete, auch zum Baden an einem versteckt gelegenen See, an den man gelangte, wenn man ein kleines Kiefernwaldstück durchquerte.

Es gibt in der Gegend ungezählte Seen; auch sie liegen still und unaufdringlich, man nimmt erst nach und nach wahr, wie viele ihrer sind. Diesen mochtet ihr besonders; er wurde fast nur von Kindern aus dem Ort und aus einem nahegelegenen Ferienlager für Stadtkinder aus Berlin aufgesucht. Jene bildeten eine fröhliche, angenehme Gesellschaft, und sowie sie zur nächsten Unternehmung aufbrachen, hattet ihr die Wiese und Steg wieder für euch, konntet am Ufer im klaren, seichten Wasser die kleinen, transparent schimmernden Fische beobachten, die sich, sobald Ruhe eingekehrt war, wieder aus dem Schilf wagten.  Die Wassertiefe war so beschaffen, dass man in Ufernähe überall stehen konnte, und nahm bis fast zur Mitte des Sees auch nicht weiter zu, so dass sich selbst diejenigen hinein trauten, die offenen Gewässern größten Respekt entgegenbrachten. Es gab ein kleines Strandcafé, in einer winzigen Hütte mit nur zwei Tischen auf der engen Holzterrasse, die jedoch selten belegt waren. Dort gab es stets Getränke, Eis und guten Kaffee, – was wolltet ihr mehr?

Manchmal kehrtet ihr auf dem Rückweg im einzigen Gasthof des Ortes ein, der gleich am Wald lag, wo eine kleine, stillgelegte Bahnstrecke verlief. Das Gebäude mochte früher zum Bahnhof gehört haben, als dieser noch in Betrieb war. Der Pächter schien das Restaurant, das vermutlich zuvor längere Zeit leer stand, noch nicht allzu lange zu betreiben; die Einrichtung wirkte neu. Tatsächlich fanden sich hier zuweilen einige Feriengäste ein. Das hiesige ehemalige Gutshaus war frisch renoviert und beherbergte Ferienwohnungen, welche zur Saison recht gut besucht waren, oft genutzt von Familien, die in Begleitung ihrer Hunde Urlaub machten. In dieser Gegend waren Haustiere noch willkommen. Eure Freundin allerdings geriet zuweilen an den Rand einer Krise, da ihr kleiner, vierbeiniger Schützling – sein Name war Rudi! -, so sanft er sonst war, die Macke hatte, mit jedem hinzukommenden Rüden unverzüglich Streit anzufangen, und zwar ohne sich um desselben Größe und eventuelle körperliche Überlegenheit zu scheren. Restaurantbesuche fielen demzufolge immer ähnlich aus: Ängstliches Umsehen bereits in der Tür, – ist da ein Hund – nein? – gut! Wenn ja – Hund oder Hündin? Hündin? Alles okay! Hund? „Nee, ich glaube, wir drehen noch eine Runde und kommen später wieder!“  War diese Hürde überwunden, der kleine Raufbold an kurzer Leine unterm Tisch verstaut, konnte sich die einstweilen entspannte Situation jederzeit ändern, sobald eine neue Familie das Lokal betrat. Argwöhnisches Beäugen. Hund dabei? – Nein. Erleichtertes Aufatmen. – Ja! – Hund oder Hündin? – Hündin? Okay. – Hund? „Ich muss hier raus!“ Sie traue sich, erzählte sie, ohnehin kaum noch, mit ihm Gassi zu gehen, da draußen sehr viele unangeleinte Tiere von Kampfhundeformat herumliefen, manchmal ohne Begleitung, und wenn in Begleitung, dann sähen die Zweibeiner oft noch weniger vertrauenerweckend aus. Die meisten seien wohl ganz harmlos, aber wer könne das wissen? – „Die fühlen sich stark, weil alles Angst vor ihnen hat, und – wie gesagt, mein Hund fängt mit den größten Tölen Streit an. Neulich blieb mir fast das Herz stehen, – saß da so ein Typ – Glatze, Springerstiefel, Tattoo – was sonst? – mit einem Riesen-Pitbull auf der Stufe mitten in der Haustür. Ich kam vom Hof drüben zurück und hatte die Katze dabei, weil sie nicht gern allein oben bleibt; da saß er da und versperrte mir den Weg. Was tun? Ich hatte keine Wahl. Ich sagte zu ihm: ‚Halten Sie bitte den Hund fest, ich muss mit der Katze hier durch.‘ Glotzt er mich blöde an, grinst und sagt: ‚Na klar, die macht meiner hier sonst mit einem Happs alle!‘ – Wisst ihr, was ich dem gesagt habe? Hey, ich hatte so eine Wut! ‚Ja, das werden wir sehen, – dann mach ich SIE alle!‘, hab ich zu ihm gesagt, ja, wirklich, – ihr lacht! Wenn ihr wüsstet, was ich für eine Angst hatte! Aber wütend war ich noch mehr. Und der? Glotzte noch blöder! Ich sagte: ‚Ja, Sie haben vollkommen richtig gehört. SIE mach ich dann alle! Nicht Ihren Hund, – der Hund kann nix dafür! Tiere können nie was dafür. Ihr Hund ist ganz in Ordnung, was wetten wir? Ich mag Hunde, ich hab selbst welche, und die kommen auch mit Katzen klar. Die Verantwortung hat immer der Mensch! Ich sage Ihnen: Sorgen Sie gut für ihn, Sie tragen die Verantwortung! Schauen Sie: Sie sitzen hier mit dem Tier ewig in der prallen Sonne auf der Treppe herum. Der Hund hechelt! Hat er die letzten Stunden mal Wasser bekommen? Natürlich nicht, – was frage ich! Lassen Sie mich durch und bleiben Sie hier!  Ich bring die Katze hoch und hol ihm Wasser.‘ – Stellt Euch vor“, sagte sie, schwankend zwischen Schaudern und Lachen, „der sagte wirklich keinen Ton und hielt den Hund am Halsband fest. Ich ging nach oben, hab erst mal die Katze abgesetzt, die nur noch aus gesträubtem Fell bestand, hab Wasser in eine Schale rein und mich gefragt, ob er wirklich warten würde. Ich kam runter, und er war noch da. Sein Hund hat die Schüssel – kaum hingestellt – in ein paar Sekunden leergetrunken. – ‚Sehen Sie, wie der Hund Durst hat‘, hab ich gesagt, ’nächstes Mal, wenn Sie wieder so lange hier sind, klingeln Sie, und ich bring ihm Wasser, verstanden? Dabei vergeben Sie sich nix! Und ich sag’s Ihnen nochmal: Sorgen Sie mir gut für das Tier! Sonst gibt das Ärger!‘ – Ich weiß nicht, ob er sich’s gemerkt hat, jedenfalls grüßt er jetzt neuerdings, wenn er da unten mit dem Hund rumläuft und mich sieht.“ – Ihr hattet euch gekugelt vor Vergnügen bei der Vorstellung, wie eure Freundin, ein eher grundängstlicher Mensch, ihren letzten Mut zusammenraffte und diesem Typen die Meinung geigte. Es war ihr jedoch durchaus zuzutrauen; sie wurde ohne Weiteres zur Löwin, wenn es um die Tiere ging.

An diesem Abend dämmerte es draußen bereits, – der Spätsommer ließ die schnell kürzer werdenden Tage erahnen -, das Restaurant hatte sich geleert. An den Tischen wart ihr die einzigen Gäste, nur am Tresen saßen noch zwei jüngere Männer. Es schien sich um Einheimische zu handeln, die öfters hier verkehrten; sie duzten die Kellnerin, ließen sich ein Bier nach dem anderen bringen und sprachen sonst wenig. Ihrer Gestik und Mimik ließ sich jene Mischung aus Erschöpfung und Resignation ablesen, die du während jener Sommeraufenthalte oft bei Menschen dieses Landstrichs beobachtet hattest.  Der eine von ihnen blickte die meiste Zeit stumm vor sich hin, während der andere zwischendurch kurze Worte mit der Kellnerin wechselte. Immerhin: Dass die beiden ihr Bier am Tresen tranken, ließ darauf schließen, dass sie  Arbeit hatten, – längst nichts Selbstverständliches in dieser Gegend. Mehrmals saht ihr im Laufe eines Abends Menschen, deren Aufzug nicht darauf deuten ließ, dass sie in Lohn und Brot standen, hereinkommen, um am Tresen Geld für den Zigarettenautomaten zu wechseln und wieder gingen, sich noch in der Tür mit zitternden Händen die Zigarette anzündend, am Arm Discountertüten, an deren Ausbuchtungen sich deutlich die Form der darin befindlichen Bierdosen abzeichnete.

Zwei Frauen betraten den Gastraum, eine schon älter, die andere sehr jung, im Gesicht allerdings deutliche Spuren zu frühen Alterns. Sie wirkten beide nachlässig frisiert, steckten in unförmigen Trainingshosen und Kapuzenshirts, die farblich nicht zueinander passten, und waren in Begleitung eines winzig kleinen Mädchens in einem schmutziggrauen, sackförmigen Hängerkleidchen, von dem schwer zu sagen war, ob es sich angesichts der Uhrzeit hierbei bereits um ein Nachthemd oder noch um Tagesoutfit handelte. Die beiden Männer am Tresen grüßten sie kurz – offenbar kannten sie sich, wechselten jedoch nur wenige Worte. Die Kleine wirkte seltsam unbeteiligt, tapste unbeholfen herum, streichelte den Hund beiläufig und wurde von den Frauen, die mit dem Wechseln von Geld und dem Bedienen des Zigarettenautomaten beansprucht waren, nicht weiter beachtet. „Magst ’nen Lolli haben?“ fragte die Kellnerin. Die Kleine sah sie verunsichert an, nickte dann. Der Automat schien zu streiken, die Frauen wurden hektisch, die Kellnerin musste zur Hilfe kommen. Eine längere Prozedur. Das Mädchen lutschte einstweilen gedankenverloren an ihrem Lolli, der rötliche Farbspuren auf Gesicht und Kleid hinterließ und beobachtete den Hund. Schließlich schienen die technischen Probleme behoben, die jüngere Frau riss ihre Zigarettenschachtel auf, kaum dass sie diese in der Hand hielt und wandte sich an den einen der beiden Burschen. „Haste mal Feuer?“ – „Klar, hier!“ – Er ließ sein Feuerzeug aufflammen. Die Frau nickte ihm kurz zu und wandte sich zum Gehen. – „Hey, vergesst die Lütte nicht!“ rief er den beiden hinterher. Die Ältere war bereits durch die Tür. Die Jüngere drehte kaum den Kopf:  „Kathy, komm!“ Es klang gleichgültig. Von der Kleinen war nichts zu sehen. „Wo ist sie überhaupt? Ist sie mal wieder hinten raus? – Ach nee, da unterm Tisch! Was machst ’n da wieder? Ach so, der Hund, – alles klar!“ Sie seufzte. „Immer mit den Hunden… Nun komm, lass den Hund, wir gehen!“ Sie verließ den Raum. Die Kleine reagierte nicht. Der junge Mann wandte sich ihr zu: „Na, komm, Kleine, du musst schon mitgehen; hier kannste ja nicht bleiben!“ Von draußen rief es zum zweiten Mal: „Kathy, komm, – lass den Hund!“ – „Kommst ja wieder!“, meinte der Bursche aufmunternd. Das Mädchen sah ihn an und lief zögernd hinaus. „Nun sieh dir das an!“ rief er, als sie verschwunden waren, „Echt, ich fass es nicht!“ – „Was ’n los?“ brummte sein Kumpel. „Die Lütte! Haste gesehen, wie der die rumlaufen lässt? Ey, ich fass es nicht, – wie kann der die Lütte so rumlaufen lassen! Ist nicht mal imstande, seine Tochter ordentlich anzuziehen, der Drecksack!“ – „Wen meinste denn?“ fragte der andere irritiert, der nichts begriff.  „Na, die Lütte – die Kleine eben -, das ist doch dem Fiete seine! Wie der die rumlaufen lässt! Würdest du Deine Tochter in so ’nem Aufzug rumrennen lassen?“ Der andere zuckte mit den Schultern. Die Aufregung seines Kumpanen blieb ihm unverständlich. „Dass der sich nicht schämt! MEINE Tochter würde SO NICHT rumlaufen, das kann ich dir flüstern, und wenn ich mir die Butter vom Brot kratzen müsste, aber DIE bekäme was Gescheites anzuziehen! Saufen, das kann er! Und seine Tochter läuft in den letzten Fetzen rum! – Hey, Jule, sei so gut, mach mir noch ´n Pils! – Ey, ich fass es nicht, – nee! – die Lütte so rumlaufen lassen…“ Er schaute zu euch herüber: „Stimmt doch, oder nicht? Ihr seid nicht von hier, oder?“ Ihr schütteltet die Köpfe. „Woher?“ Du machtest eine unbestimmte Bewegung. „Südwesten.“ Froh, darüber, das sagen zu können. „Westen“ allein hätte komisch geklungen; das sagte längst keiner mehr. Orte nennen jedoch war meist zwecklos. Sie sagten hier keinem etwas. Ihm schon. – „Kenn ich,“ – sagt er, „war ich schon ganz in der Nähe auf Montage. Ist ’ne Weile her. Hatte eigentlich Glück; Arbeit hatte ich immer…“ Er schnaubt verächtlich. „Glück, ja, – was heißt Glück?! War halt immer unterwegs auf Montage. Als ich dann eines Tages heimkam, fand ich meine Freundin mit meinem besten Kumpel im Bett, das war’s dann. So war das. Dumm gelaufen. Wenigstens keine Kinder. – Aber der Fiete! Da hat er nun die Tochter und lässt sie so ‚rumlaufen!“ Er schüttelte den Kopf, schaute wieder vor sich hin. Vor der Tür regte sich Tumult. Die beiden Frauen waren nochmals zurückgekommen, schienen in Aufregung.  „Hey, habt ihr der Kleinen ihren Schuh gesehen?“ Zwischen ihnen stand das Mädchen, am abgekauten Stiel ihres Lolli knabbernd. Einer seiner Füße steckte in einer Sandalette, den anderen zog es bloß hinter sich her.  „Oh nee, – ihr seid ja schon wieder da! Was? Den Schuh verloren? Nee, wirklich!“ Der Bursche begab sich auf seufzend alle Viere und zog schließlich eine Sandalette unter dem Tisch hervor. „Da haben wir ihn ja, – hier ist das flotte Teil!“ Er warf sie der Mutter zu. „Bei DER Kostümierung hätt‘ ich meinen Schuh allerdings auch weggeworfen! Sag Deinem Alten ’nen Gruß von mir: Er soll weniger saufen und seiner Tochter lieber anständige Sachen kaufen! Die Lütte so rumlaufen lassen, – nee!“ Die Frau machte nur eine wegwerfende Handbewegung. „Kathy komm, lass den Hund, – willste noch den andern Schuh verlieren? Jetzt ab nach Hause, komm!“ -„Ja, so kann man das auch nennen! DAS Zuhause, das stell ich mir lieber nicht vor!“ knurrte er vor sich hin. „Die Lütte so rumlaufen lassen, – nee!“ Er setzte sich, noch immer kopfschüttelnd, wieder an den Tresen.

Die drei schienen endgültig von dannen gezogen. Auch wir waren bereit zum Aufbruch. „Dann macht’s mal gut“, sagte er zu uns. „Kommt ihr noch mal, habt ihr noch paar Tage?“ – „Wir müssen morgen zurück.“ – „Schade. Grüßt mir den Süden! Es war ganz nett dort. Vielleicht verschlägt ’s mich ja mal wieder hin.“ Wir verabschiedeten uns. Am Parkplatz standen die beiden Frauen und rauchten. Sie sprachen kein Wort. Von der Kleinen war nichts mehr zu sehen.

Copyright Bettina Johl

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Im Frühsommer

Buchfink

Image by karsten.planz via Flickr

Juni

Mein Freund, der Buchfink
Drüben auf dem Holzstapel
Schmettert sein Lied
In den Abendwind
Gleich wie er es tat
In der Morgendämmerung

Sein Lied
Ist Anbetung
Ist Leidenschaft
Eine Liebeserklärung an den Tag
Seiner Schattenseiten
Ungeachtet

Ein Gedicht, das ich in sehr jungen Jahren niederschrieb, mit der gewissen Holprigkeit von Gedichten, die heranwachsende Menschen zu schreiben pflegen, – eines, dem ich – dem Zeitpunkt dieser Momentaufnahme entsprechend – den schlichten Titel „Juni“ verlieh. Es war eines der wenigen, die allen wütenden Vernichtungsaktionen, denen vieles damals zu Papier gebrachte stets wenig später zum Opfer fiel, – übrigens, ohne dass ich im Rückblick darüber Reue empfinde -, standhalten konnten, weil es mir im Gedächtnis haften geblieben ist.

Juni, – das war ein Monat, den ich mochte, – ein ehrlicher Monat, in dem sich die überladene Süßlichkeit des vorausgehenden Mai allmählich verzog, auflöste und in einen schlichteren Frühsommer überzugehen versprach, mit dem ich bei weitem mehr anfangen konnte.

Der kleine Vogel mit seiner ganzen Hingabe an seinen Gesang muss bei mir bereits damals einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Kaum dass ich ansonsten in jenen Tagen mehr als einen Sperling von einer Amsel zu unterscheiden vermochte. Außer der Bewunderung für die Fähigkeit, sich ungehindert in der dritten Dimension bewegen zu können, blieb mir in dieser Lebensphase die Vogelwelt eher fremd, waren mir ihre Vertreter im wahrsten Sinne zu flüchtig, war ich mehr den vierbeinigen Wesen wie Pferden und Katzen zugeneigt, in deren Fell man sein Gesicht vergraben konnte, wenn die Welt ein weiteres Mal wieder nicht zu ertragen war.

Der Buchfink mit seinem anmutigen Charme jedoch hatte es irgendwie geschafft, sich in mein Herz zu stehlen, – er, der wenig Scheue -, der es auch in späteren Jahren verstand, sich immer wieder unvermittelt  am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu zeigen, – manchmal schicksalhaft, manchmal nur als erfreuliche Zufallsbegegnung, den Weg kreuzend während einer Wanderung, oder – Ferienerinnerung! – beim frechen Kuchenkrümel-vom-Tisch-stibitzen unterm Leuchtturm einer Ostseeinsel.

War es sein Name, der mich ihm eine besondere Weisheit andichten ließ? Immerhin lässt dieser ja seinem Klang nach geradezu auf einen belesenen Vogel schließen, wider das bessere Wissen, dass man ihn natürlich nicht nach dem bedruckten Buch benannte, sondern vielmehr nach der Buche, die wiederum  dem Buch den Namen verliehen haben soll, – dem Baum, dessen Früchte ihm als Zugehörigen der Finkenfamilie – neben anderen Sämereien und Früchten – zur Nahrung dienen.

Dies jedoch nimmt ihm nichts. Ich mag die Buche, die vielerorts Mutter des Waldes genannt wird, ihren geraden, hohen Wuchs, – stattlich mit zunehmendem Alter, lehne mich gern an ihren kraftvollen Stamm und fühle ihre sonnenwarme, glatte Rinde, – es hat etwas Aufbauendes , Tröstendes , etwas,  wozu die Unverdrossenheit des kleinen Vogels, den sie nebenbei nährt, gut passt.

Oft habe ich seine Schönheit bewundert. Sein Gefieder ist farbenprächtig, aber nicht schreiend bunt, vielmehr  in harmonischen Tönen und Nuancen auf seine bevorzugte Umgebung abgestimmt. Das der Weibchen ist ganz ähnlich, – etwas schlichter, aber unverwechselbar. Letztere fielen mir stets durch ihr selbstbewusstes Gebaren auf, – sie stehen gar im Ruf, zuweilen im Winter fortzuziehen, die Männchen vor Ort zurücklassend, – Auszeit, Urlaub allein, ganz unter Frauen! -, um hernach ihre Partnerschaft in einer selbst gewählten Beziehung mit gleichberechtigter Aufgabenverteilung fortzusetzen. Allen Respekt!

Im Garten meiner Eltern sind die Bäume inzwischen hoch gewachsen. Mein Freund, der Buchfink – natürlich ist es nicht mehr derselbe wie einst – ist nicht mehr auf den Holzstapel als Singwarte angewiesen; ich höre ihn auf dem Wipfel einer hohen Fichte, während ich dies schreibe. Viele Vogelarten suchen den Garten auf, sind mir liebe Freunde: Das Rotkehlchen mit seinem perlenden Gesang, die Kohlmeisen, welche schon einmal neugierig ins Fenster geflogen kommen, die kleineren, lebhaften Blaumeisen – geschickte Akrobaten auf dünnsten Zweigen -, streitlustige Grünlinge mit durchdringenden Rufen, die farbenfroh leuchtenden Stieglitze in ganzen Schwärmen auf der Durchreise, prächtige Bergfinken als Wintergäste, beinahe handzahme Amseln. Dann die Haussperlinge – zeternde Raufbolde im Efeu an der Hauswand -, der Jahr für Jahr unter dem Dach nistende Hausrotschwanz, der pfiffige, kopfunter an den Gehölzen hängende Kleiber, der sich von den bereitgestellten Sonnenblumenkernen immer so viele mitnimmt, wie irgend in seinen langen Schnabel passen, der Buntspecht, der wohl auf der gegenüberliegenden Streuobstwiese seine Nisthöhle hat. Man erzählte mir von einer Begebenheit, die ich nicht selbst beobachten konnte: Einer der jungen Buntspechte – noch mit der roten Punkfrisur des Jungvogels -, habe Nüsse vom Haselstrauch in die Rindenspalten des benachbarten Fliederbusches gesteckt, um sie auf diese Weise zu knacken. Er muss einen lustigen Anblick geboten haben, wie er emsig hämmerte, während unter dieser Spechtschmiede, wie es die Fachleute nennen, zu denen ich nicht gehöre, kleine, erst wenige Tage flügge Kohlmeisen aufgeregt herum hüpften, in der Erwartung ihres dabei zu Boden fallenden Anteils. Mein Buchfink hingegen hält sich eher im Hintergrund. Falls sich sein Nest in der Nähe befindet, so zeigt er es nicht. Nur sein Gesang ist stets zu hören.

Auch an anderen Orten findet er sich schnell in nächster Nähe ein, – es scheint unter seiner Art eine geheime Absprache zu geben, die ich nur vage durchschaue. Einmal, als du, mein Freund, mich während eines Kuraufenthaltes besuchtest, saß er bei einem Spaziergang vor uns auf dem Weg, ohne wegzufliegen, bis wir uns auf weniges genähert hatten. Du machtest einen raschen Schritt auf ihn zu, und ich versuchte, dich daran zu hindern, – rief – zu spät: Verjag ihn nicht! – Du wolltest jedoch nur feststellen, ob er vielleicht eine Verletzung hatte und womöglich nicht mehr fliegen konnte. Er flog erschrocken auf. Du konntest nicht wissen, dass er zu mir gehörte, in meiner Nähe sein musste. Mein Erschrecken war tiefer, anhaltender, ich fühlte mich verlassen und nahm es als kein gutes Omen, konnte die Traurigkeit, die sich in mir ausbreitete, nicht mehr so leicht loswerden, – es folgten beschwerliche Zeiten. Irgendwann jedoch war er wieder da, ein anderer – gewiss! – und doch schien es stets derselbe zu sein.

Auf seiner Belesenheit jedoch bestehe ich, – zu oft erschien er in der Nähe meines Dichters, und dies oft in entscheidenden Augenblicken, wenn ich – einmal wieder in Krisenstimmung, eigene Projekte in Frage stellend, abergläubisch auf ein Zeichen hoffend – jenen aufgesucht hatte. Wie es einmal so ist, werden eindeutige Zeichen stets auf sich warten lassen – oder wir übersehen diese; es liegt an uns selbst, was wir als ein solches Zeichen ansehen wollen, wie wir es für uns deuten – und was wir letztlich daraus machen. Der Dichter jedenfalls würde sich unterstehen, mir von seinem Bronzerelief herunter verschwörerisch zuzublinzeln oder ähnliches, – so viel stand fest, – ich war ohne überzogene Erwartungen zu ihm gekommen. In der Nähe befand sich ein Biergarten, den wir – Mutter und Sohn – besucht hatten, um uns eine Live-Leinwandübertragung eines Fußball-WM -Spieles – welches wir übrigens verloren – anzuschauen, und ich hatte das Areal klammheimlich für kurze Zeit verlassen, weil Dinge anderer Art mich umtrieben.

Mein Freund, der Buchfink, war vor mir an Ort und Stelle, saß im Schein der untergehenden Sonne nahe dem Relief des Dichters auf einem vorspringenden Ast – und sang aus Leibeskräften. Als ich mich näherte, hüpfte er noch ein Stück vor, saß einen Augenblick still, während ich den Atem anhielt, sah mich eine Zeitlang an – und flog auf. Stille umgab mich. Der Blick des Dichters blieb wie gewohnt in sich versunken in die Ferne gerichtet. Dennoch schien er zu sagen: Auf welches weitere Zeichen wartest du? Noch dazu, nachdem es von Anfang an nie Zweifel darüber gab, wie du dich entscheiden würdest? – Ich zögere einen Augenblick lang. Er – und mein Buchfink – hatten wie immer Recht. Ich murmelte meinen Dank, mich indessen verstohlen umsehend, ob es nicht etwa jemand mitbekommen haben könnte, – keine Gefahr, wer verirrt sich um diese Zeit zu den Dichtern, während die WM läuft? – und kehrte zum bunten Treiben des Gartenlokals zurück.

Im darauf folgenden Frühjahr besuche ich das Grab des Dichters an dem Ort, wo dieser bis zu seinem Tod die zweite Hälfte seines Lebens verbrachte, – in geistiger Umnachtung, sagen viele. Wir wissen es anders. Und wieder – ich verwundere mich noch nicht einmal sehr – ist der kleine Vogel vor Ort, tummelt sich fröhlich in den Zweigen der Bäume, fliegt herunter, hüpft durchs Gras, bis er sich schließlich auf den Grabstein setzt, auf dem außer Blumen auch – wohl nach jüdischer Sitte – Steine abgelegt sind, und dort laut schmetternd  sein Lied singt. Ich versuche ihn zu fotografieren, – er entwischt mir natürlich. Es gibt Momente, die sich nicht mit technischen Mitteln einfangen lassen.

Er bleibt in der Nähe, sieht mich herausfordernd an, turnt durch die Zweige, spielt den Clown. Na, na, – necke ich ihn, wie verträgt sich dies mit der Friedhofsordnung, – du weißt doch: der Würde des Ortes angemessen… Er legt sein Köpfchen schief, – es fällt nicht schwer, sich einzubilden, als frage er zurück: Kennst du jemanden, der sich der Würde dieses Ortes und unseres Dichters angemessener verhält als ich? – Nein, – gebe ich zu, – wahrhaftig nicht! – Aber, – wie kommt es eigentlich, – frage ich leise, während er wieder zu einem etwas höher gelegenen Zweig flattert, – dass ich dich stets zuverlässig an diesen Orten antreffe? – Warum fragst du, – glaube ich meinen Freund von oben zu hören, – du weißt es doch längst? Mein Name ist nun mal – Buchfink…

© Bettina Johl

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Weißer Hahnenfuß – Eine Kurzgeschichte

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Ein inneres Bild hatte uns hergeführt. Eine Erinnerung, verschwommen, in Blau, Gelb und Weiß: Eine Wiese voller Vergissmeinnicht, Sumpfdotterblumen – und weißem Hahnenfuß, von dem wir eine lange Zeit gar nicht wussten, dass es ihn gibt.

Vieles wissen wir nicht mehr – aus jenen früheren Tagen, als es auf Wiesen noch mehr Blumen geben durfte, als diese noch nicht völlig überdüngt waren, bis nur noch Löwenzahn auf ihnen gedeihen konnte. Was wir lange genug nicht mehr zu Gesicht  bekommen haben, hören wir offenbar irgendwann auf zu vermissen. Nur manchmal stolpern wir noch unvermittelt über letzte Refugien, stehen dann staunend vor Wiesenstreifen – schmal meist nur – von leuchtend tiefblauem Salbei, manchmal sich abwechselnd mit dem Zitronengelb des Klappertopfs, den ebenfalls fast niemand mehr kennt, – oder  filigranen Kuckuckslichtnelken, die früher ganze Auen in einen rosa Teppich zu verwandeln vermochten – oder vor dem Traumbild eines wogenden Getreidefelds mit Kamille, Mohn und Kornblume. Hatten wir sie tatsächlich vergessen, den schleichenden Verlust an Farbe in der Landschaft nicht wahrgenommen? Und wundern uns wahrhaftig, dass an solchen Plätzen auch die Schmetterlinge wieder zurück sind; Falter, die wir mitunter nicht mehr benennen können, weil wir sie aus den Augen verloren hatten, sowie viele farbenprächtige Insektenarten, deren Namen wir längst auch nicht mehr wissen.

Ich habe mir angewöhnt, mir diese seltenen Stellen einzuprägen, und diese fand ich wieder, – fand sie genauso vor, wie ich sie in Erinnerung behalten hatte. Die Jahreszeit stimmte. Es führt ein Weg dorthin, aufwärts, entlang des Oberlaufs eines Gebirgsflusses, der hier – von seiner unterhalb des Höhenrückens gelegenen Quelle kommend – über ein beeindruckendes Gefälle von rotem Gestein, welches vom vulkanischen Ursprung der Gegend zeugt, seine weitere Reise ins Tal hinunter nimmt. Ein Weg, der – neben der Faszination des Wassers – interessante geologische Besonderheiten aufweist und so trotz seiner beträchtlichen Steigungen recht kurzweilig zu gehen ist. Der Platz, der sich mir ins Gedächtnis eingegraben hatte, liegt noch nicht weit vom Eingang des Hochtals an einer Biegung des Wasserlaufs, bevor die Schlucht sich zu verengen und der Weg anzusteigen beginnt. Jene Kehre hatte auf einem Stück ebenen Untergrunds eine Feuchtwiese entstehen lassen. Der Platz bietet eine gute Gelegenheit zu einer Rast; entsprechend hatte man ihn mit einer Schutzhütte und mehreren freistehenden Bänken sowie einem eingefassten Brunnen ausgestaltet.

Wir fanden alles so vor, wie ich es von meinem ersten Besuch in Erinnerung hatte: Der weiße Hahnenfuß, in der Mittagssonne flimmernd im fast unwirklichen Dunkelgrün des Grases, welches stets auf nassen Untergrund schließen lässt, jenes wiederum zum Ufer des Bachs hin vermehrt mit leuchtenden Tupfen vom Gelb der Sumpfdotterblumen durchzogen, während das unaufdringliche Blau der Vergissmeinnicht erst auf den zweiten Blick sichtbar wurde, wenn die Augen sich allmählich an die Sonnenlichtreflexe gewöhnt hatten.

Ich war glücklich, der Freundin diesen seltenen Winkel zeigen zu können, und wir mussten ihn nur mit wenigen Menschen teilen. Zwar war es einer jener kaum Ruhe verheißenden Feiertage im Frühling, die das Wandern geradezu im Kalender vorschreiben, – mit all den unsäglichen Begegnungen und grauenvollen Anblicken, die solches mit sich zu bringen pflegt: Eltern mit krampfhaft Fröhlichkeit vorschützenden Mienen, mäkelnde Kleinkinder und maulende Teenager hinter sich her zerrend, im vergeblichen Versuch, diese mit der Aussicht auf ein späteres Eis zum Durchhalten zu motivieren. Was schiefgehen muss, denn Stadtkinder, die einmal im Jahr zum Wandern hinaus gejagt werden, mit der Begründung, dass am Kalenderersten des Wonnemonats nun mal gewandert werden müsse, – und jetzt zieht mal nicht so ein Gesicht, mehr Fröhlichkeit bitte! – sind nun mal so gar nicht zu begeistern und schaffen erst recht keinen Gewaltmarsch, sind sie doch oft weniger trainiert als ihre Eltern, die schon eher mal der Sorge um die Figur willen das Fitness-Studio aufsuchen, während die Rasselbande inzwischen zuhause vor der Spielkonsole sturmfrei feiert.

Von all dem blieben wir glücklicherweise weitgehend verschont, was daran liegen mochte, dass der Weg einfach zu steil war und – der schlechten Anfahrbarkeit mit motorisierten Fahrzeugen wegen – fernab all jener bierseligen Waldfeste lag, die normalerweise Ziel solcher Art Familientrips zu sein pflegen, auf denen es schließlich gilt, neben dem Nachwuchs auch die Rucksack schleppenden Väter bei Laune zu halten.

Die einzige Familie, die außer uns den Rastplatz belagerte, war hingegen sportlich mit mehrgängigen Mountainbikes ausgerüstet. Entschlossen, den Berg mithilfe ihrer Räder zu bezwingen, strotzten sie geradezu vor Durchtrainiertheit; die Gruppe bestand aus mehreren Erwachsenen und einem kleinen Mädchen von eher zarter Statur. Wie alt mochte sie sein, etwa zehn Jahre? Alle Achtung, wenn sie diese Steigung bewältigen konnte! Die Erwachsenen nahmen ihr Picknick halb auf den Fahrradsätteln sitzend ein, in Gedanken wohl mehr oder weniger schon oben, am Ziel, wie es ihrer Unterhaltung zu entnehmen war.

Wir rasteten auf Holzbänken etwas abseits der Hütte, wo unterhalb des Brunnens einige kleine Teiche angelegt waren, und genossen die Blütenpracht und die weitreichende Stille, die über dem Platz lag.  In der Nähe turnte das von den Gesprächen der Erwachsenen sichtlich gelangweilte kleine Mädchen unlustig an den Geräten eines Spielplatzes herum, bis es sich schließlich darauf verlegte, auf dem Brunnenrand entlang zu balancieren, – Anlass für die Mutter, ihren Redefluss zu unterbrechen: „Julia, pass auf – werde nicht nass – fall nicht rein!“

Inzwischen war die Aufmerksamkeit des Kindes auf den nächstgelegenen Teich gefallen, und es hatte sich an dessen Ufer gesetzt. „Da sind Kaulquappen!“ rief es begeistert aus. Von der anderen Seite ertönte: „Julia, steh auf! Du machst dir die Hose dreckig!“

Das Kind schöpft Wasser in der hohlen Hand, fängt dabei vorsichtig eines der Tierchen und trägt es zu den Erwachsenen hinüber. „Schaut doch mal!“ Der Vater reagiert nicht. Kommentar der Mutter: „Uuh! Tu’s wieder ‚rein! Schnell!“ Das Mädchen macht ein enttäuschtes Gesicht und trägt die Kaulquappe zurück.

Der Teich beginnt uns nun auch zu interessieren. Wir gehen hin. Schauen. Staunen, fasziniert vom Leben, das er in sich birgt. „Hier sind noch größere, – sind die schön!“ ruft das Kind, welches inzwischen das gegenüberliegende Ufer erkundet. Eigentlich richtet es dies nicht an uns. Wir warten. Niemand reagiert. Wir gehen hin, lassen uns die Entdeckung zeigen. Und wirklich sind diese Kaulquappen sehr viel weiter fortentwickelt, lassen bereits die Frösche erahnen, zu denen sie einst werden sollen.

„Sie sind wirklich schön“, sage ich. „An den kommenden Sommerabenden wird es hier ausgiebige Froschkonzerte geben“, mutmaßt die Freundin. Das Mädchen schaut hoch und lächelt.

Doch schon erschallt es: „Julia, – komm, wir wollen weiter!“ – „Nein! Ich will noch nicht! Kommt doch mal her und schaut!“ – „Nein. Komm jetzt!“ – „Kommt IHR doch mal!“ Die Mutter zögert, nähert sich unschlüssig. „Schau mal, eine Schnecke!“ Das Mädchen zieht seine Hand aus dem Schlamm und hält in ihr eine kleine Wasserschnecke, die es dort gefunden hat, entgegen. Wir tauschen ahnungsvolle Blicke. Ein entsetzter Aufschrei: „Was machst du denn da? – Lass das! Tu sie bloß schnell wieder ‚rein, – pfui Deibel! Komm jetzt endlich!“ Die Mutter wendet sich angewidert zum Gehen. Das Mädchen bleibt traurig sitzen.

„Als ich so alt war wie du“, erzählt die Freundin, „hab ich’s ganz genauso gemacht. Wasser  – und alles, was darin so lebt, hat mich immer magisch angezogen. Kein Teich war mir zu tief und kein Bach zu reißend. Und meine Mutter hat andauernd mit mir geschimpft, weil ich ständig nasse Hosen hatte – und schmutzige Strümpfe – und auch öfters  mal meine Schuhe verlor.“ – „Und ich“, setze ich hinzu, „war überall zu finden, wo es Tiere gab. Meine Tante hatte Ziegen, und ich wurde immer ermahnt: Bleib aus dem Stall draußen! Aber ich musste natürlich hineinkriechen bis in die hintersten Winkel. Und zuhause hieß es dann: Zieh dich bloß vor der Tür aus, – du stinkst!“ – Das Mädchen lächelt wieder. Wir sind Verbündete. Ich entdecke noch eine der Wasserschnecken. Die Kleine ist begeistert, – freut sich, dass sie uns gefällt.

Drüben werden die Rufe lauter. Schließlich lässt sich der Vater am Teich blicken. Hat die Mutter ihn vorgeschickt? „Julia, was ist denn? Nun komm doch!“ – „Papa, schau doch mal! Nur gucken!!!“ – Er zieht es vor, auf Abstand zu bleiben. Seine Stimme klingt nicht unfreundlich: „Nun komm, – du warst doch nun wirklich lange genug hier, – wir müssen doch weiter!“ Er ist nicht zu bewegen, näher zu kommen.

„Ja, nun“, sage ich, „es stimmt schon, – wir sollten auch weiter, sonst bekommen wir in der Hütte oben keinen Rhabarberkuchen mehr. Auf den freue ich mich schon den ganzen Tag. Aber dafür müssen wir uns ranhalten, wir sind zu Fuß! Denn man los!“

Seufzend erheben wir uns beide. Auch das Mädchen steht auf, nickt uns kurz zu und folgt ihrem Vater zu den Fahrrädern.

© Bettina Johl

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Frühlingstage am Niederrhein – Bettina Johl

Unterwegs in mir bisher unbekannten Gegenden, im Land zwischen Niederrhein und Maas, – erfahren, dass anfangs nicht selbst Gewähltes ebenfalls zu Vertrautem werden kann, wovon es einst – ich ahne es voraus – schwerfallen wird, sich wieder zu trennen. Woran werde ich zurückdenken, – welche Erinnerungen werden mir erhalten bleiben?

Da ist die Weite der Ebene, – ungewohnt zunächst -, die jeder Mensch auf seine eigene Weise wahrnimmt. So wie Berge dem einen Geborgenheit vermitteln oder Herausforderung sein können, im anderen jedoch das Gefühl von Enge und Beklemmung auszulösen vermögen, so kann auch das flache Land dem einen Freiheit, dem anderen Verlorenheit bedeuten. Ich entscheide mich für Freiheit.

Symbol werden mir die morgens vorüberziehenden Graugänse, deren Geschnatter mir wie Gesang anmuten will. Es gibt einen See in der Nähe, doch diesen suchen sie nicht auf. Er ist zu klein, zu gut besucht, sein Ufer zu sehr beansprucht. Immerhin finden sich dort zwei Haubentaucherpaare, die sich davon offensichtlich nicht schrecken ließen, und es ist faszinierend, ihrem Balztanz zuzusehen, in dessen Verlauf sie sich fast mit den Hälsen berühren, sich drehen und symmetrische Formen  bilden, die sich wiederum auf der Wasseroberfläche spiegeln. Dann wieder tauchen sie mit elegantem Sprung unter, sind lange verschwunden, um an einer weit entfernt liegenden Stelle plötzlich unvermutet wieder aufzutauchen, als wäre nichts geschehen.

Bettina Johl

In der Flugrichtung, welche die Wildgänse nehmen, liegt jedoch ein Seegebiet  mit kleinen Wasserflächen zwischen niedrigem Gehölz und feuchten Wiesen. Ich suche sie dort an einem der nächsten Tage auf,  – bin verwachsen mit meinem geliehenen blauen Fahrrad, das mich hier überall hinbringt, fahre durch schattige Eichenalleen, – viele dieser Bäume scheinen mir älter als hundert Jahre zu sein, stehen wie mächtige Säulen, ihr junges Laub filtert das Sonnenlicht, lässt ein hohes Gewölbe von leuchtendem Grün entstehen -, komme vorüber an großen, weiten Pferdekoppeln, an von blühenden Weißdorn- und Rosenhecken gesäumten Feldern. Mehrere Fasane kreuzen meinen Weg. Dort wo ich herkomme, sind sie längst verschwunden, bietet ihnen die, – wie man es nennt – „bereinigte“ Flur und die Zersiedelung keinen Lebensraum mehr. Ich werde sie vermissen!

An einer großen Wiese in der Nähe der Seen sehe ich sie lagern, – meine Gänse! Mein Erscheinen stört sie auf, – sie ziehen sich unter aufgeregten Lautäußerungen etwas zurück, beeilen sich, die Mindestdistanz zwischen sich und mich zu bringen. Als sie sehen, dass ich nicht näherkomme, mich am Feldrain auf die Erde setze und ruhig sitzenbleibe, beruhigen sie sich und recken interessiert die Hälse, – manche nähern sich wieder etwas. Ein wenig spreche ich ihre Sprache. Meine innigen Zwiegespräche mit Hausgänsen sind durchaus geeignet, mir zuweilen besorgte Blicke einzuhandeln. Diese hier sind wildlebend. Sie werden immer auf Distanz bedacht sein, dies ist wichtig zu ihrem Schutz. Um mit ihnen vertraut zu werden, würde ich sehr viel Zeit benötigen, – mehr, als ich hier haben werde. Aber sie lassen mich aus der Ferne teilhaben, damit muss ich mich zufrieden geben. Ich frage mich, ob sie nur auf der Durchreise sind oder gar hier brüten.

Tage später durchstreife ich vorsichtig das Seengebiet, schwankend zwischen Neugier und dem Wunsch, nicht zu stören. An einem kleinen See mit schwer zugänglichem Ufer finde ich, durch Erlen- und Birkenzweige spähend, zunächst nur Stockenten und Blesshühner vor. Am gegenüberliegenden Ufer steht ein Graureiher unbeweglich, gleich einem Denkmal, im seichten Wasser. Kurz darauf hebt er ab, segelt über die Wasserfläche, majestätisch, in seiner ihm eigenen Haltung, – mit zurückgelegtem Kopf und Hals, um sich etwas tiefer im Gehölz auf einem Baumwipfel niederzulassen. Dann – mich durchfährt ein freudiger Schrecken – entdecke ich weiter hinten ein Gänsepaar, das junge Küken zu führen scheint. Es sind sehr umsichtige Eltern, – mit Mühe kann ich einen Blick auf die Kleinen erhaschen, jedoch nicht feststellen, wie viele es sind. Ich ziehe mich still zurück.

Anderntags, in der Stille der Mittagsstunden, halte ich erneut Ausschau nach ihnen. Am Ufer führt eine schmale ausgetretene Spur durch die Wiese. Ich folge dem Pfad. Von Grashalmen, die ich streife, fliegen Dutzende blauschillernder Libellen auf, tanzen im funkelnden Sonnenlicht, um sich danach wieder im Grün niederzulassen, – fast unwirkliches Farbenspiel. Der See liegt still, wirkt verzaubert. Nichts ist dort sonst zu hören, außer dem Ruf des Kuckucks im Gehölz und dem Gesang des Pirols, – der erste, den ich in diesem Jahr vernehme. Einige Graugänse sind zu sehen, – jedoch von meiner Gänsefamilie keine Spur. Flüchtiger Gedanke, ich könnte mich gar getäuscht haben, aber ich vermute sie im hohen Gras einer benachbarten eingezäunten Wiese, wo sie sicherlich Mittagsruhe hält. Dennoch reut es mich nicht, mich auf den Weg gemacht zu haben.

Und genau dort, auf der Weide, sehe ich sie – am folgenden Abend, als ich denselben Weg nehme – unter Rufen Richtung Seeufer aufbrechen, beide Elterntiere, zwischen sich ihre Jungen, – alle sehr klein, Flaumkügelchen noch -, sicherlich erst wenige Tage alt. Bald sind sie im Wasser, bleiben jedoch im Schutz des Schilfs. Soweit ich mich auch bis zur äußersten Spitze einer Halbinsel vortaste, kann ich sie doch stets nur flüchtig erkennen. Aber ich habe sie gesehen! Kurz darauf holt mich der helle, warnende Ruf eines Blesshuhns aus meiner Versunkenheit. Wenige Meter entfernt sehe ich nahe am Ufer sein Schwimmnest mit einem Gelege von mehreren Eiern, das ich zunächst nicht bemerkt hatte. Ich bin zu nahe. Ich zeige ihm, dass ich verstanden habe, trete langsam den Rückweg an. Es beruhigt sich und setzt sich wieder auf sein Nest.

Zeit für mich zu gehen. Mir bewusst zu machen, was nicht neu ist: Die Natur braucht mich nicht. Ich brauche sie. Ich bin ein geduldeter Gast, – eine Zeitlang, wenn ich mich umsichtig verhalte. Mehr nicht. Wenn ich mir dies erhalten will, muss ich bereit sein zum Verzicht. Und so hoffe ich auf weitere Abende, an denen es mir vergönnt sein wird, Gast zu sein. Für eine kurze Zeit.

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