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Aber du scheinst noch, Sonne des Himmels! – Zum 250. Geburtstag Hölderlins

P1210099Aber du scheinst noch, Sonne des Himmels! Du grünst noch, heilige Erde! Noch rauschen die Ströme ins Meer, und schattige Bäume säuseln im Mittag. Der Wonnegesang des Frühlings singt meine sterblichen Gedanken in Schlaf. Die Fülle der allebendigen Welt ernährt und sättiget mit Trunkenheit mein darbend Wesen.

O selige Natur! Ich weiß nicht, wie mir geschiehet, wenn ich mein Auge erhebe vor deiner Schöne, aber alle Lust des Himmels ist in den Tränen, die ich weine vor dir, der Geliebte vor der Geliebten.

Friedrich Hölderlin (Aus: Hyperion)

 

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Am 20. März 2020 war der 250. Geburtstag Friedrich Hölderlins. Aufgrund der Corona-Krise wurden allerorten die Feierlichkeiten auf unbestimmte Zeit verschoben. Umso mehr eine Gelegenheit, in unserer derzeitigen, zum Schutz von uns selbst und anderen notwendigen Isolation unseren Dichter zu feiern und neu zu entdecken.

 

 

Cover-Johl-2-200Rechtzeitig zum Jubiläum erschien Bettina Johls Roman Holunderblüten. Roman um zwei Liebende auf den Spuren Hölderlins, der hier in unserem Blog mit mehreren Leseproben vertreten ist, als online frei zugängliche Sonderausgabe bei Literaturkritik.de, ein stellvertretendes Geburtstagsgeschenk an alle literarisch Interessierten, gewidmet allen Liebenden, die es nicht lassen können, stets die Dichter zu bemühen.

Wir freuen uns sehr, dass dieses Projekt, das in einem Zeitraum von zehn Jahren entstand und sich stetig weiterentwickelte, beim Verlag LiteraturWissenschaft.de eine literarische Heimat gefunden hat. Unser Dank geht an alle, die daran glaubten, es über die Jahre begleitet und unterstützt haben und uns darin bestärkten, daran festzuhalten!

Und so bleibt uns, diesen Frühling mit unserem Dichter zu begehen.

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Schönes Leben! du lebst, wie die zarten Blüten im Winter,

In der gealterten Welt blühst du verschlossen, allein.

Liebend strebst du hinaus, dich zu sonnen am Lichte des Frühlings,

Zu erwarmen an ihr, suchst du die Jugend der Welt.

Deine Sonne, die schönere Zeit, ist untergegangen

Und in frostiger Nacht zanken Orkane sich nun.

Friedrich Hölderlin (An Diotima)

 

Fotos: © 2020 Bettina Johl

 

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Frohe Weihnachten und auf bald im Hölderlinjahr 2020!

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Das Feld ist kahl, auf ferner Höhe glänzet

Der blaue Himmel nur, und wie die Pfade gehen,
Erscheinet die Natur, als Einerlei, das Wehen
Ist frisch, und die Natur von Helle nur umkränzet.
Der Erde Stund ist sichtbar von dem Himmel
Den ganzen Tag, in heller Nacht umgeben,
Wenn hoch erscheint von Sternen das Gewimmel,
Und geistiger das weit gedehnte Leben.

Friedrich Hölderlin

Allen LiteraturfreundInnen wünschen wir frohe Festtage
und einen guten Jahreswechsel!

Wir sehen uns im Hölderlinjahr 2020!

Aufnahmeort: Hölderlinstadt Lauffen am Neckar
(Regiswindiskirche und Lauffener Botenmännle)

Foto: © 2019 Bettina Johl

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Naturgemälde und Weltbeschreibung

Zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt

Von Dieter Kaltwasser

In der Vorrede zu seinem Buch Kosmos heißt es bei Alexander von Humboldt: „Ich war durch den Umgang mit hochbegabten Männern früh zu der Einsicht gelangt, dass ohne den ernsten Hang nach der Kenntnis des Einzelnen alle große und allgemeine Weltanschauung nur ein Luftgebilde sein könne“. Für ihn war die Suche nach Wahrheit ein fortlaufender, nie abzuschließender Prozess des Hinterfragens: „Prüfen Sie von Neuem, was ich veröffentlicht habe, betrachten Sie alles als falsch, das ist das Mittel, die Wahrheit zu entdecken“, so seine Empfehlung an einen jüngeren Kollegen. „Im wundervollen Gewebe des Organismus, im ewigen Treiben und Wirken der lebendigen Kräfte“, so Humboldt in Kosmos, „führt jedes tiefere Forschen an den Eingang neuer Labyrinthe.“ Zum Artikel auf literaturkritik.de

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Märzenbecher

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Märzenbecher –

Bote meines
Herzensmonats
In Weiß
Und Grün.
Was hält
Dein Kelch
Dein zitternder
Für mich bereit?
Süßes?
Bitteres?
Wer kann es wissen?
Du schüttelst
Deinen Kopf.
Vielsagend
Und –
Nichts.
Es bleibt
Dein Geheimnis.
 
Bettina Johl
 
(Text & Foto: © 2019 Bettina Johl)

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Zur Weihnacht

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Fröhlich soll mein Herze springen
dieser Zeit, da vor Freud‘
alle Engel singen.
Hört, hört, wie mit vollen Chören
alle Luft laute ruft:
Christus ist geboren.

Paul Gerhardt

Allen LiteraturfreundInnen wünschen wir frohe Festtage
und einen friedevollen Jahreswechsel!

Bettina Johl und Dieter Kaltwasser

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Novembersonne

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Novembersonne
Verwandelt alles Gold in Kupfer,
Verstreut die verfallenen Münzen
Auf meinem Weg.
Und es wird einmal mehr nicht reichen,
Mich loszukaufen
Vom nahenden Winter.

Bettina Johl

Fotos: © 2018 Bettina Johl

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Kein Entkommen vor der Scham / Für Anne – Gedanken beim Besuch der Gedenkstätte Bergen-Belsen

 

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Kein Entkommen…

Sich schämen, nicht herzukommen.
Sich schämen, herzukommen.
An unseligem Ort
Umherzugehen,
Voyeuren und Gaffern gleich.
Betroffene Miene zur Schau tragend,
Gewollt oder nicht.
Ich: Nachgeborene von Täterinnen und Tätern
Im schlimmsten,
Feigen Mitläuferinnen und Mitläufern
Im „besten“ Fall.
Aus dem Totschweigen kommend.
Nichts begreifend.
Keine „angemessene Haltung“ finden.
Kein Entkommen vor der Scham!

Bettina Johl

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Für Anne

Die Gräber
Der einst Satten
Zieren Nelken,
Gerbera
Und Chrysanthemen.

Deines –
Und zugleich das
Der vielen tausend
Verhungerten,
Verdursteten,
Misshandelten,
Zerschundenen,
Hingemordeten,
Denen Du
Stellvertretend
Eine Stimme gegeben hast –
Zieren Heidekraut,
Wacholder
Und junge Birken.

Vielleicht muss es so sein.
Vielleicht ist es
In Deinem Sinne.

Und vielleicht ist die Natur
Als Einzige
Berechtigt
Zu Gesten der Versöhnung.

Bettina Johl

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Gedenkstätte Bergen-Belsen im Oktober 2018

Fotos: © 2018 Bettina Johl

 

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