Über Gott und die Welt

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Thomas Nagel: Geist und Kosmos. Der amerikanische Philosoph ist mit seinem 1974 publizierten Aufsatz „Wie fühlt es sich an, eine Fledermaus zu sein?“ bekannt geworden. Er tritt dort Bemühungen der vollständigen „Zurückführbarkeit“ bezüglich der Erklärung des Bewusstseins entgegen: Was auch immer wir über das Gehirn einer Fledermaus wissen – wir können nicht (und werden wohl auch nie) deren Perspektive einnehmen. Der naturwissenschaftlichen Erkenntnis sind Schranken gesetzt. In seinem neuen Buch setzt Nagel das fort: Diese Lücken werden nicht von materialistischen Theorien geschlossen: Bewusstsein, Denken und Werte lassen sich nicht reduzieren, schon gar nicht auf rein physikalische Gesetze. Eine Theorie jedoch, die all dies nicht zu erklären vermag, sei mit Sicherheit falsch. Nagel entwickelt erste Ansätze einer neuen Perspektive auf Geist und Kosmos. Beeindruckend!(Suhrkamp, 187 S., 24,95 Euro)

Ronald Dworkin: Religion ohne Gott. Was ist religiös an einer Haltung, in der Gott keine Rolle mehr spielt? Mit dieser Frage beschäftigte sich Ronald Dworkin in seinen Einstein-Vorlesungen, die er bis kurz vor seinem Tod zu diesemBuch ausgearbeitet hat.Der 2013 verstorbene Philosoph hat mit „Religion ohne Gott“ noch einmal seiner humanistisch geprägten Weltsicht Ausdruck verliehen. Religion bedeutet nach Dworkin eine Sicht auf dieWelt, die von einem Glauben an objektive Werte getragen wird – daran, dass Geschöpfe eine Würde haben, dass ein Leben gelingen oder verfehlt werden kann, dass es Schönheit in der Welt gibt, die nicht lediglich Konstrukt unserer Sinnesorgane ist. Religion ist eine Weltsicht, nach der es eine „eigenständigeWirklichkeit von Werten“ gibt, die „alles durchdringt“. So eine Religion, so lautet das nachdenkenswerte Credo des Philosophen, hat etwas Tieferes als Gott. (Suhrkamp, 146 S., 19,95 Euro)

Peter Sloterdijk, Thomas Macho: Gespräche über Gott, Geist und Geld. „Ein Streifzug durch die Gegenwart abseits vertrauter Pfade“ – so lautete die Ankündigung dieser Gespräche, die der Karlsruher Philosoph und der Berliner Kulturwissenschaftler mit dem Kulturhistoriker und Juristen Manfred Osten im Rahmen zweier Veranstaltungen auf Schloss Neuhardenberg im Jahre 2012 und 2013 führten und die nun in Buchform vorliegen. Die Gesprächsrunde debattierte dabei über die Renaissance des Religiösen, über die Hölle als „Verfassungsorgan“, über Gottvertrauen und Geldvertrauen, über Kapitalismus als Religion, über den Zusammenhang von Geist und Geld. Dabei wurde auch der nicht nur philosophisch interessanten Frage nachgegangen, „ob das Wort aus den Evangelien eigentlich noch gilt, der Geist weht wohin er will und nicht wohin das Geld es will.“ Sehr empfehlenswert! (Herder, 112. S., 12 Euro)

Dieter Kaltwasser

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