Monatsarchiv: Januar 2014

Fichte und Hölderlin – Aus dem Roman „Holunderblüten“ von Bettina Johl

Hoelderlin_1792Fichte

Zum Gedenken an Johann Gottlieb Fichte ( *19. Mai 1762 in Rammenau bei Bischofswerda;  † 29. Januar 1814 in Berlin)

Die erste Idee ist natürlich die Vorstellung von mir selbst als einem absolut freien Wesen. Mit dem freien, selbstbewussten Wesen tritt zugleich eine ganze Welt – aus dem Nichts hervor – die einzig wahre und denkbare Schöpfung aus dem Nichts.

Friedrich Hölderlin

(Aus: Das Älteste Systemprogramm des Deutschen Idealismus)

 

*

Der Dichter selbst als Philosoph? Als ein solcher sah er sich zweifellos. Er bestand darauf, als Dichter notwendigerweise Philosoph sein zu müssen – und umgekehrt. Die Bereiche Dichtung und Philosophie sah er als untrennbar an und widmete sich zeitlebens der Aufgabe, die er sich selbst gestellt hatte: Beide einer neuen Einheit zuzuführen.

Ihr lest: Die Idee der Schönheit, die sich in der Kunst ausdrückt, sei die Idee, die alle anderen Ideen vereinige, und ein Philosoph müsse gerade so viel ästhetische Kraft besitzen wie ein Dichter, sonst nämlich bleibe er ein Buchstabenphilosoph, den keiner verstehe und der somit auch das Volk nicht erreiche. Die Poesie hingegen müsse wieder die Rolle der Lehrerin der Menschheit übernehmen, wie sie diese bereits zu Beginn inne hatte. Und letztlich – so schließt er kühn – werde die Dichtkunst alle anderen Wissenschaften und Künste überleben.

Große Worte eines jungen Menschen. Er wird ihnen treu bleiben. Ihr staunt. Die Dichtkunst wird also überleben. Wird sie in letzter Konsequenz das sein, was bleibt? Das Schriftfragment, in dem sich all dies findet, nennt sich das „Älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus“. Es handelt sich hierbei um einen Entwurf der Tübinger Studienfreunde, nach Aussage der Forschung überliefert in Hegels Handschrift, nach einem Konzept von Schelling – und deutlich geprägt durch euren Dichter. Viele der hier enthaltenen Gedanken finden sich nahezu wörtlich im „Hyperion“ wieder, den er in sehr jungen Jahren begann und an dem er viele Jahre arbeitete. Ein Entwurf, nicht ganz vollständig erhalten, welcher Anfang 1797 entstand, als das bezeichnete Dreigestirn nach Jahren, in Frankfurt, zu erneutem Austausch wieder zueinander fand.

Dies also wurde vor mehr als zweihundert Jahren zu Papier gebracht durch drei außergewöhnlich begabte, noch immer junge Menschen. Zu dieser Zeit hatte noch keiner von ihnen das dreißigste Lebensjahr erreicht. Es beschäftigt dich. Wie ergeht es euch, wenn ihr aus heutiger Sicht darauf schaut? Wie ist es heute um Philosophie und Dichtkunst bestellt? Revolutionen, Weltkriege, die technische Entwicklung und der allgemeine Lauf der Zeit haben die Gesellschaft verändert wie nie zuvor. Die Philosophie scheint ein Schattendasein unter den Wissenschaften zu führen, geistert durch die Feuilletons, welche nur von einem kleinen Kreis gelesen werden. Oftmals erscheinen dir diese eher als eine Spielwiese der Selbstdarstellung, wo mit Begriffen jongliert wird, angesichts derer du dich fragst, ob jene, die sie verwenden, sie eigentlich selber verstehen. Oder sollten diese einzig dem Zweck dienen, beim Leser Erstarren in Ehrfurcht vor vermeintlicher geistiger Überlegenheit auszulösen? Feuilletonbeiträge, so verriet dir einmal der Chefredakteur einer überregionalen Zeitung, würden insgesamt wenig gelesen, dies erkläre auch das Phänomen, dass immer einmal wieder politisch inkorrekte Beiträge darin auftauchen könnten und niemand rege sich darüber auf, keiner nehme es zur Kenntnis, eben weil es keiner wirklich gelesen habe. Eigentlich diene ein Feuilleton vor allem dazu, eine Zeitung aufzuwerten. Der Leser, auch wenn er es nicht liest, würde es dennoch vermissen, wäre es nicht vorhanden, verleiht es doch der Zeitung das gewisse Niveau. Dies wertet wiederum auch den Leser auf, er liest schließlich ein anspruchsvolles Blatt, selbst wenn dies Lesen sich auf das Überfliegen der Schlagzeilen beschränken sollte. Noch dieselbe oberflächliche Eitelkeit und Beliebigkeit also, die sich bezeichnend als „feuilletonistisches Zeitalter“ in Hermann Hesses „Glasperlenspiel“ kritisiert findet?

Philosophen also ungestört unter sich im Elfenbeinturm? Unbeachtet – und damit auch ungestört – vom Rest der Welt? „Stimmt so nicht!“ – sagt dein Philosophenfreund, der sich unter denselben bewegt. Möglicherweise hat er Recht. Aber der Eindruck bleibt. Und die Frage: Wem nützt Philosophie, solange ihre Vertreter dem Leser suggerieren, ihre Inhalte könnten von einfach denkenden Menschen nicht verstanden werden? Wird es hier nicht höchste Zeit, sich einzumischen?

Jung war sie damals: Die Vorstellung des Menschen von sich selbst als absolut freiem Wesen, bestimmt zum freiheitlichen Handeln, welche aus dem Gedankengut der Aufklärung und der Französischen Revolution entstand. In Deutschland und von Deutschland aus wurde diese maßgebend geprägt durch die Philosophen Kant, den euer Dichter in Tübingen eingehend studierte, und Fichte, den er später in Jena hörte. Von dem er tief beeindruckt war, und der ihm Denkanstöße lieferte, seine eigenen Ideen im Hinblick auf den schöpferischen, den Kunst schaffenden Menschen weiter zu entwickeln.

Was genau hat es aber mit Fichtes Werk auf sich? Das Thema hat dich in seinen Bann gezogen, jedoch kämpfst du hier mit erheblichen Bildungslücken. Über Kant lässt sich ja noch irgendwie etwas zusammenbringen. Sofern es einer versteht, durch Herumwirbeln einiger Begriffe und Zitate zu bluffen, lässt sich mit diesem Philosophen durchaus einen Abend lang Konversation treiben. Den meisten wird es nicht auffallen, weil sie es zwar chic finden, sich über Kant zu unterhalten, den sie ja dem Namen nach kennen, auch wissen, dass das jemand Bedeutendes gewesen sein muss, aber möglicherweise insgeheim überlegen: Wer war das noch mal? Ein Modeschöpfer vielleicht? Triffst du aber zufällig doch auf jemanden, der sich auskennt, wird derjenige in der Regel vor Begeisterung völlig außer sich sein – Wahnsinn, hier interessiert sich jemand für Kant! –, so dass auch er es nicht unbedingt mitbekommt, wenn du in Wirklichkeit nur Blödsinn erzählst. Auch dein Philosophenfreund wäre einst fast darauf hereingefallen. Hingegen bei Fichte verlassen dich zunächst alle guten Geister und so wird es Zeit, dass du dich dahinter klemmst. Hier auf deinem „Zauberberg“, wo du ein wenig Auszeit hast.

Wenigstens liegt dein Wissensmangel diesmal nicht darin begründet, dass du in der Schule schlicht gepennt hast; das hast du zwar in der Tat, aber Philosophie kannst du nicht verschlafen haben, denn – es gab sie nicht. Im Gegensatz zu manchen anderen europäischen Ländern ist Philosophie an deutschen Schulen normalerweise nicht im Lehrplan vorgesehen, wird als eigenes Fach bis heute selten gelehrt. Und damit fängt das Elend an – und nimmt seinen weiteren Lauf. Es führte zu dem Phänomen, dass sich Menschen wie du im Erwachsenenalter auf „Sophies Welt“ von Jostein Gaarder stürzten, ein Buch, das sich eigentlich an Jugendliche richtet. Ihr kauftet es unter dem Vorwand, es euren Kindern schenken zu wollen. Und last es dann selbst, verschämt, unter der Bettdecke. Denn die Kids hatten auf so etwas gar keinen Bock, das roch ja viel zu sehr nach Bildung! Und so habt ihr auf diese Weise erstmals in verständlicher Form etwas über Philosophie erfahren. Die Kritiker spotteten über das Buch und über euch, seine unfreiwilligen Leserinnen und Leser, gleich mit. Sie versuchten, es schlecht zu reden, weil es seine Zielgruppe verfehlt hatte. Aber es gelang ihnen glücklicherweise nicht, das einmal entflammte Interesse wieder zu ersticken. Du kennst sogar einen Doktor der Philosophie, der sich davon begeistern ließ. Er trug eine Baskenmütze wie Alberto Knox und bot auf dem Buch basierende Kurse für Erwachsene an. An einem Ort, den du selbst für jegliche Philosophie verloren hältst, aber er – unerschütterlicher Idealist – ließ sich davon nicht beeindrucken; er hielt seine Stunden auch, wenn sich nur fünf Leute einfanden. Von seinem Naturell war dieser eigentlich ein eher schüchterner Mensch und – das Angenehme an ihm – alles andere als ein Meister der Selbstdarstellung, demzufolge fielen seine sehr förmlich gehaltenen Vorträge oft etwas monoton aus, führten zu schweren Augenlidern während später Abendstunden in muffigen Räumen, nach langen, mit stumpfsinniger Arbeit ausgefüllten Tagen. Anders eure anschließenden Gespräche auf der Straße vor dem Café, unter freiem Himmel, der für eure Gedankenflüge brav die Kulisse lieferte. Du hast ihn ausgebeutet, denkst du rückblickend – und meinst damit nicht den Himmel. Ihn allzu oft über ungebührliche Zeit aufgehalten mit deinen Fragen und verrückten Gedankenspielen, die sich einstellten, sobald an frischer Luft deine Müdigkeit wie weggeblasen war. Er nahm es heiter und gelassen. Und auf zwei Gebieten hattest du einen Vorsprung: Er wusste die erstaunlichsten Dinge, aber, wie er freimütig zugab, wenig über die Bibel und praktisch nichts über den Sternenhimmel. Gebiete, die du dir in Eigenregie bereits etwas erschlossen hattest. So besaß jeder Teile eines großen Puzzles, die sich zuweilen ergänzten. Dies machte eure Gespräche zu etwas Wertvollem. Glücklich, wer in jedem Lebensalter immer wieder Lehrer findet, die das Denken auf neue Bahnen lenken helfen. Du hattest dieses Glück sehr oft.

Hier bist du auf dich gestellt, aber Selbstdenken und Lernen ist ja keineswegs verboten, und so findest du dich nun alsbald mit einem Notizbuch bewaffnet, alles zusammenschreibend, was du über Fichte in Erfahrung bringen kannst. Und findest zusehends Spaß daran.

In allem Anfang ist Legende: Johann Gottlieb Fichte, der begabte Sohn eines Webers aus der Oberlausitz, hütet eines Sonntags auf der Gemeindewiese hinter der Kirche das Vieh. Frondienst, der vor Kindern keineswegs Halt machte. Gewiss noch eine der angenehmeren Tätigkeiten. Etwas langweilig vielleicht. Andere hingegen mussten weniger früh aufstehen. Da gab es den Gutsherrn, mit dem auf einen Mann seines Formats wohl gut passenden Vornamen Haubold, der sich an diesem Tag verspätet hatte. Er hatte schlicht verschlafen und kam demzufolge zu spät zum Gottesdienst, wodurch er auch die Predigt verpasste, die er doch gern gehört hätte. Sein Bedauern darüber tat er zumindest in einem Gespräch mit anderen Kirchenbesuchern kund, die nach dem offiziellen Ende noch in Grüppchen beieinander stehen blieben, um sich über dieses und jenes auszutauschen. Das war die Stunde des jungen Fichte, der unfreiwillig mithörte und ihm daraufhin die Predigt, die er selbst durchs Kirchenfenster mitbekommen und im Kopf behalten hatte, auswendig vortrug, nicht ohne hierbei den Pfarrer auf unterhaltsame Weise zu imitieren. Und es schaffte, den edlen Herrn solcherart zu beeindrucken, dass dieser umgehend beschloss, ein solch aufgewecktes Bürschchen müsse unbedingt gefördert und auf entsprechende Schulen geschickt werden. Eine Sache, die der Freiherr auch sogleich mit den Mitteln, die ihm – anders als den Eltern des Jungen – zur Verfügung standen, in die Hand nahm. Wie sagte doch schon dein geschätzter Konfirmandenpfarrer? Es hat noch keinem geschadet, bei der Sonntagspredigt die Ohren zu spitzen!

Eben war der Weg, den Fichte dadurch einschlagen konnte, jedoch keineswegs. Denn nach einer gewissen Zeit verstarb der edle Herr und die Begeisterung seiner Erben für diese Art von Bildungssponsoring dürfte sich bereits zu dessen Lebzeiten in Grenzen gehalten haben. Unterstützung war also nicht länger zu erwarten. Der herangewachsene Fichte brach sein Studium ab und schlug sich – ähnlich wie später euer Dichter ­– mit Hauslehrerstellen durch. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, beruflich oder schreibend Fuß zu fassen, beschäftigte er sich mit der Philosophie Kants, der er schon während des Studiums sehr zugetan war. Als er Kant einige Zeit später in Königsberg besuchte, war dieser von ihm sehr beeindruckt und half ihm, seine Schrift „Versuch einer Critik aller Offenbarung“ zu verlegen, eine religionsphilosophische Abhandlung, von der lange angenommen wurde, dass sie von Kant selbst stamme. Als dies schließlich durch Kant richtiggestellt wurde, bedeutete es den wissenschaftlichen Durchbruch Fichtes. Er wurde an die Universität Jena bestellt, wo euer Dichter schließlich mit ihm in Berührung kommen sollte.

Bezeichnend für die Philosophie Fichtes ist nun die Bedeutung, die er dem Begriff des Ich – großgeschrieben! – als dem aktiven, in Freiheit handelnden Part zuschreibt. Er baut diesen Gedanken weiter aus: Dem Ich entgegen steht – so nennt er es – die Welt des „Nicht-Ich“. Dieses „Nicht-Ich“ bezeichnet wiederum alles, was die Freiheit des Ich bestreitet. Die Begrenzung durch das „Nicht-Ich“, also durch äußere oder innere Umstände, welche das Ich angeblich am Handeln hindern, sei jedoch – so Fichte – in Wirklichkeit eine reine Selbstbegrenzung. Und damit eine faule Ausrede! Es gelte stattdessen, die Menschen aus ihrer Lethargie wachzurütteln. Das ganze Gejammer über angeblich unabänderliche Gegebenheiten: Unsinn! Fichte ist davon überzeugt: Es gibt diese nicht. Was er für das wahre Übel des Menschen hält, benennt er hingegen unumwunden: Die Trägheit! Mit heutigen Worten: Wenn das Ich nicht in die Pötte kommt, dann läuft gar nichts, dann ist es geradezu so, als wären wir schon lange tot. Oder nie lebendig gewesen. Der Mensch, so Fichte, tendiere stets stärker dazu, sich zum getriebenen Objekt als zum handelnden Subjekt zu machen und sich auf diese Weise zu verstecken und sich vor dem Denken und Handeln zu drücken. Warum? Weil die ansonsten so vielgepriesene Freiheit unbequem ist! Weil sie erfordert, Verantwortung zu übernehmen, was – wie wir wissen – seltener Lust als Last bedeuten kann. Das Subjekt jedoch – nicht das Objekt! – liege in Wahrheit allem zugrunde: Das Subjekt als das tätige und erkennende Ich, das sich seiner selbst bewusst sein muss, und dieses wiederum „setze sich selbst“. Es bringe sich selbst aus dem Denken hervor und sei weltbildend.

Seiner selbst bewusst! Weltbildend! Dies klingt für dich doch alles eigentlich sogar sehr modern und weckt so gar nicht den Eindruck, bereits vor zweihundert Jahren gedacht worden zu sein. Was bedeutet dies nun umgesetzt ins praktische Leben? Denn dafür war es ja doch wohl gedacht, zu Zeiten, als die Philosophie sich noch nicht in die Feuilletons verkroch?

Während einer Rast auf einer deiner ausgedehnten Wanderungen sendest du deinem Philosophenfreund eine Nachricht per Mobiltelefon:

Mein Lieber, bin im Wald unterwegs und kämpfe noch immer mit Fichte. Das passt hierher, ­Du weißt schon: Schwarzwald! Links Fichten, rechts Fichten! Also, wenn ich es richtig verstanden habe: Das Ich bin ich! Sein ist nach Fichte Wahrgenommen-werden. Ich werde hier zwar höchstens von den Vögeln des Waldes wahrgenommen, weil sonst kein Mensch unterwegs ist, aber da ich den Wald hier wahrnehme und den Berg, der vor mir liegt, gehe ich einfach mal davon aus, dass es mich trotzdem gibt. So. Und dieser Berg hier ist das Nicht-Ich, welches mich begrenzt und sagt – oder sagen würde, denn dieser Berg hat natürlich nichts zu melden, das wäre ja noch schöner! – wenn dieser Berg also etwas zu sagen hätte, würde sich das vermutlich so anhören: „Hey, du kommst hier nicht rauf, ich bin viel zu hoch, und du hast null Kondition, also vergiss es besser! Und jetzt liegt die Entscheidung beim Ich – sprich bei mir! –, wie ich damit umgehe. Ob ich entweder sage: „Jawohl, der Berg hat Recht, ich gehe dann mal lieber gleich wieder zurück und lege mich ins Bett!“ Oder ob ich zum Berg sage: „Blödsinn! Hey, was willst du Berg? So hoch bist du nun auch wieder nicht! Ich hab‘ schon ganz andere Berge geschafft, gegen die bist du geradezu ein Idiotenhügel!“ Was also heißt: Ich kann mich von dem Berg erschrecken lassen, so dass ich umkehre und mich ins Bett verkrieche. Oder ich kann ihn bezwingen. Im äußersten Fall könnte ich ja auch einen Bagger holen und ihn abtragen, aber ich entscheide,  bedeutet: das Ich entscheidet, ob der Berg zu bewältigen ist oder nicht! Dies gilt ja dann wohl für alle Berge im übertragenen Sinne. Und dies ist daran das „Weltschaffende“? Die Welt erschaffe ich mir? Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt – nach Art von Pippi Langstrumpf. Hab ich Fichte nun kapiert oder nicht?

„Nun ja“, erreicht dich die Antwort deines klugen Philosophenfreundes, „ironisch genug, die Berufsphilosophen würden Dir empört nachstellen, aber im Prinzip ist Deine Interpretation richtig!“ Dein Glück. Von nun an erklärst du dich als befugt!

Das Weltschaffende muss für euren Dichter, als Künstler, der ja immer im weitesten Sinne weltschaffend – weltenschaffend! – ist, die höchste Bedeutung gehabt haben. Mit dem freien, sich seiner selbst bewussten Wesen, dem Individuum, tritt also eine ganze Welt aus dem Nichts hervor. Eine Welt aus dem Nichts? Das klingt geradezu nach einem göttlichen Schöpferanspruch. Die Kirche wird an solcherlei Gedankengut ihre Freude gehabt haben, noch dazu an der sich daraus ableitenden Forderung:

…absolute Freiheit aller Geister, die die intellektuelle Welt in sich tragen, und weder Gott noch Unsterblichkeit außer sich suchen dürfen…

Heißt dies: Es kann kein Gott angenommen werden, außer, wir schaffen ihn uns selbst? Und ebenso keine Unsterblichkeit, außer eine von und durch uns selbst geschaffene? Dies ist in der Tat starker Tobak! Aber warum eigentlich nicht? Die biblische Aussage lautet: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde.“ Was bedeutet: Der Schöpfer als Schaffender – kreativ er selbst! – schuf den Menschen zu seinem Ebenbild. Und wenn er das mit dem Ebenbild ernst meinte, dann schuf er ihn folglich als Schaffenden, als Kreativen! Was wäre daran so verkehrt, als dass man darum Scheiterhaufen errichten müsste? Die Unsterblichkeit wiederum – gewiss, die hätte der Mensch freilich gern, ohne sie sich erst extra schaffen zu müssen.

Im Weiteren die Forderung der Systemschrift:

Monotheismus der Vernunft und des Herzens,
Polytheismus der Einbildungskraft und der Kunst,
dies ist‘s, was wir bedürfen!

Was hindert uns also, an den einen Gott zu glauben und zugleich als Schaffende frei zu sein?

Die Rolle des Dichters, des Künstlers aber als Erzieher der Menschheit? Solches klingt schon sehr hochtrabend. Auch in Fichtes „Reden an die Deutsche Nation“ ist von Erziehung die Rede, von sittlicher Bildung zur Freiheit, zur Selbständigkeit. Zur – hier ganz wörtlich – „Veredelung“. Das menschliche Verhältnis zur Freiheit müsse in einer Vernunft- und Werteerziehung verankert werden.

Und nun wird es erst recht interessant: Die Erhebung zur Vernunft und zum wahren Selbst lasse auch die Feindschaft zu anderen freien Individuen und Nationen entfallen, denn der so gebildete Mensch strebe danach, seine Mitmenschen zu achten, und er liebe deren Freiheit und Größe! Mit Knechtschaft hingegen könne er sich nicht abfinden. Und für die Deutschen müsse ein neues Selbst gefunden werden, welches über die Nation hinausgehe!

Womit es dir in deinem Herumschweifen gerade noch gelungen wäre, die Kurve zu bekommen. Denn dieser Frage „Was ist heute mit den Deutschen – mit uns – los?“, der wolltest du anfangs ja nachgehen. Dein Philosophenfreund wird sagen, du seist zu lange im Wald gewesen. Fichte(n)-geschädigt! Du kannst dich höchstens mit den Worten Hyperions herauszureden versuchen:

Ich schweifte herum, wie ein Irrlicht, griff alles an, wurde von allem ergriffen…

 

© Bettina Johl (Aus dem Roman „Holunderblüten“, bislang unveröffentlicht)

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Autor, Bücher, Geistesgeschichte, Literarische Wanderungen, Philosophie, Roman

Dialog der Generationen

Jana Simon

Jana Simon im Gespräch mit ihren Großeltern Christa und Gerhard Wolf

Mit Großeltern hat es eine eigene Bewandtnis. Wir finden in ihnen die uns am nächsten stehenden Zeitzeugen vergangener Tage. Sofern es uns vergönnt ist, auf der ersten Strecke unseres Lebensweges über ein kurzes oder auch längeres Stück von ihnen begleitet zu werden, können sie uns wichtige Bezugspersonen und Gesprächspartner sein. Wir schätzen ihre Sichtweise der Dinge schon darum, weil diese sich oft von der unserer Eltern unterscheidet. Werden wir dann älter, können uns die „Geschichten von früher“, denen wir als kleine Kinder zuweilen noch begierig lauschten, auch schon ein um das andere Mal zu viel werden. Doch dann werden wir selbst erwachsen, gründen Familien, haben eines Tages eigene Kinder. Unsere Großeltern, wenn sie uns noch erhalten geblieben sind, werden älter und allmählich gebrechlicher. Erst dann wird vielen von uns bewusst, dass die Zeit, von der wir die Fülle zu haben glaubten, plötzlich zum knappen Gut geworden ist, uns davonläuft. Dass wir nicht nur lernen müssen, von wichtigen Menschen in unserem Leben Abschied zu nehmen, dass auch viele Erinnerungen, sofern sie oder wir sie nicht auf irgendeine Weise aufgezeichnet haben, für immer verloren gehen werden, und damit entscheidende Puzzleteile, nicht nur unseres persönlichen Gedächtnisses, auch – wenn man so will – des Gedächtnisses der Menschheit.

Nun findet sich die Autorin Jana Simon gewiss nicht in der Situation einer Enkelin, deren Großeltern nichts Schriftliches hinterlassen hätten. Im Gegenteil. Das umfangreiche Werk zu lesen, welches ihre 2011 im Alter von 82 Jahren verstorbene Großmutter Christa Wolf hinterließ, sollte sie erst nach und nach Zeit finden. Hinzu kommen zahlreiche Veröffentlichungen ihres Großvaters Gerhard Wolf, ebenfalls Autor und Verleger, der sich außer der Literatur auch mit großer Liebe der Bildenden Kunst und der Förderung von Künstlern verschrieben hat. Ihr wichtigstes eigenes Erbe, das Talent zum Schreiben, hat sie als Journalistin längst angetreten. Wenn auch Themen, Lebenswelt und Lebensstil zeitbedingt andere sind, so zeigen sich doch eine deutliche Prägung und viele Gemeinsamkeiten.

Im Alter von fünfundzwanzig Jahren beginnt Jana Simon erstmals, damals noch mit einem guten alten Kassettengerät, ihre Großeltern gezielt zu Themen der Vergangenheit, die sie beschäftigen, zu befragen und die Gespräche aufzuzeichnen. Über zehn Jahre setzt sie dies fort, unregelmäßig, teilweise mit sehr großen Zeitabständen. Immer kommt etwas dazwischen, sind alle zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt. Ihre eigene Tochter Nora kommt zur Welt; ihr ist das nun vorliegende Buch gewidmet. Die erste Urenkelin. Eine neue Generation, die mit neuen Fragen heranwachsen wird. Auch mit neuen Konflikten.

Die Konflikte sind es vor allem, die Jana Simon interessierten, sie zu ihrem Projekt bewegten. Trotz vieler Bücher im Regal: Das Gefühl, zu wenig zu wissen über ihre Großeltern und darüber, womit sie zu kämpfen hatten. Zu einer Zeit, die sich immer mehr in die Geschichtsbücher zurückzieht, aus denen sie sich für die Nachwachsenden nur mühsam wieder hervorholen lässt. Die DDR, die das Leben der Familie der Autorin und noch ihr eigenes Aufwachsen prägte, brach zusammen, als Jana Simons Schulzeit endete. Nach der politischen Wende schien die Zeit mit doppelter Geschwindigkeit dahin zu jagen. Die junge Generation fand sich damit beschäftigt, die neu gewonnene, zuvor lange entbehrte Freiheit zu nutzen und zu genießen. Was zuvor unerreichbar schien, war endlich greifbar geworden: Reisen, ein Studium im Ausland. Wer es sich ermöglichen konnte, nutzte es.

Noch war in der allgemeinen Euphorie keine Rede davon, dass sich alsbald auch Schattenseiten abzeichnen würden. Dass sich mancher später auf der Verliererseite wiederfinden würde, um festzustellen, dass sich von politischer Seite kaum mehr jemand dafür zuständig sehen wollte. Die Stimmen derer, die zu Beginn über einen dritten Weg zumindest nachdenken wollten, wurden wirksam überschrien und sind längst verstummt und vergessen. Die Macht der Medien vermag viel.

Was bleibt, sind Fragen. Keineswegs verklungen, nur vorübergehend in den Hintergrund getreten, um sich beim Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt neu zu stellen. Die Fragen der Nachkommen an eine Generation, die – wie die Autorin feststellt – „den Krieg, die Flucht und zwei Diktaturen erlebt hat“ und „die es bald nicht mehr geben wird.“ Jana Simon findet sich in der glücklichen Situation, Großeltern zu haben, die reden. Die reflektieren und hinterfragen. Auch sich selbst. Viele tun dies nicht. Das Phänomen ist bekannt und beschäftigt die Psychologen. Eine oft mehrfach traumatisierte Generation hüllt sich in kollektives Schweigen und lässt die Jüngeren mit ihren brennenden Fragen im Stich. Verhängnisvoll für deren Zukunft.

Sich die Lebensumstände der Großeltern vorstellen erfordert ein Sich-hinein-denken in ein Leben ohne Informations- und Medienvielfalt. „Sieh mal, wenn du in deinem ganzen Umfeld nicht einen einzigen Menschen hast, der dir erzählt, was tatsächlich in der Welt geschieht, wie sollst du als Kind wissen, was vor sich geht?“ In einem ihrer Romane ist Christa Wolf sehr intensiv ihrer eigenen Spur nachgegangen. Mit der Aufforderung: „Dann lies einfach Kindheitsmuster!“ gibt sich die Enkelin jedoch nicht zufrieden. „Das habe ich. Aber da steht nicht alles drin, und ich würde es gern von euch hören.“

Die Gespräche finden im familiären Rahmen statt, sind sie zunächst doch ausschließlich für diesen vorgesehen. Begebenheiten des Tages fließen mit hinein, die Atmosphäre ist vertraut. Bei aller Nachdenklichkeit wird zwischendurch viel gelacht. Man sitzt im Wohnzimmer in Berlin oder im Garten im mecklenburgischen Woserin, dem Sommerrefugium. Zuweilen am alten Küchentisch, dem – wie es auch in „Ein Tag im Jahr“ zu lesen ist – als Ort für Essen und Trinken in geselliger Runde, für Zusammenkünfte und Gespräche stets eine besondere Bedeutung zukam. Der für Erinnerungen an frühere Tage steht. An Freundschaften, die mit diesen verbunden waren. Viele darunter, die weggebrochen sind. Zu groß die Veränderungen. „Was uns zusammengehalten hat, ist nicht mehr da“, so Christa Wolf 1998 und ihr Mann fügt hinzu: „Und was uns unterschieden hatte, war zuvor nicht thematisiert worden. Das brach dann mit einem Mal nach dem Mauerfall auf.“

Das Verbindende im gemeinsamen Tun als Basis. In welcher Intensität einst Politik in das tägliche Leben, auch in Freundschaften, mit hinein spielte, daraus kaum wegzudenken war, – es lässt sich von den Jüngeren kaum noch nachvollziehen. Sie wiederum werden von den Älteren mit Staunen als unpolitische Generation wahrgenommen. Dennoch finden sich bei allen Unterschieden immer wieder Übereinstimmungen. Zu keiner Zeit lassen die Gespräche es an Offenheit und gegenseitiger Akzeptanz fehlen. Die Enkelin lebt ein ganz anderes Leben, reist viel und lebt zeitweise im Ausland. Sie bezeichnet sich nicht als politisch engagiert, aber sie schreibt in ihrem Beruf über gesellschaftliche Themen und bezieht zu diesen Position. Es entspinnen sich Gespräche über das ihnen allen vertraute, oft vergebliche Ringen um Objektivität beim Schreiben. Die Bedeutung der Zwischentöne. Das Hinauslaufen – immer wieder! – auf die bezeichnende, die allgemeine Überforderung signalisierende Feststellung: „Ich weiß es nicht.“ Jana Simon befindet gar, dass man diesen Satz, letzter Satz – in der leicht veränderten Form „Das weiß ich nicht.“ – auch in Christa Wolfs zu dieser Zeit noch in Arbeit befindlichem Buch „Stadt der Engel“, als Leitspruch über das ganze heutige Leben stellen könnte.

Konflikte. Für Christa Wolfs Schreiben waren sie Voraussetzung. „Ich könnte bei jedem Buch sagen, aus welcher Konfliktlage heraus es sich mir aufgezwungen hat.“ Nicht immer lassen sich diese so eindeutig mit Jahreszahlen verknüpfen wie 1965 (11. Plenum), 1968 (Prager Frühling), 1976 (Biermann-Affäre) oder schließlich die Ereignisse ab 1989. Begebenheiten, über die sich mehr und mehr der Schleier des Vergessens zu legen beginnt, da uns die Zeitzeugen von einst nach und nach verlassen. Was waren die Ideen, die so lange an der DDR festhalten ließen? Zum einen die des Antifaschismus. Zahlreiche Exilanten während der Zeit des Nationalsozialismus hatten sich nach ihrer Rückkehr in der DDR niedergelassen; sie und ihre Ideale dienten den Jüngeren als Vorbild. Viele unter ihnen, die Jahre später von der Entwicklung des neuen Systems bitter enttäuscht waren, – keine Frage. Zum anderen der Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit.

Zweifel? Sie stellten sich bald ein, – gewiss. Weggehen als Alternative? Wohin? Und die Familie? Die Freunde? Die Leser? Zeitungen, die im Briefkasten steckten, auf deren Rändern man hastig gekritzelte Botschaften fand: „Bleiben Sie bloß hier! Gehen Sie nicht auch noch weg!“ Es gab viele, die Hoffnung in die im Lande verbliebenen Autoren und Künstler setzten. Hoffnung, sie könnten mit ihren Ideen von innen heraus etwas verändern. Hoffnung bis zuletzt, dass es doch noch einen dritten Weg geben könne. Dass es möglich wäre, einen modernen, sozialistischen Staat zu schaffen, der ohne Einengung, Überwachung und Unterdrückung seiner Menschen auskommt. Eine Idee, für die sich im materiellen Aufholfieber der Wendezeit keine Mehrheit mehr fand. Reicht ihr damaliges Scheitern aus, um sie als endgültig falsch zu bewerten? Die Entwicklung der nachfolgenden Jahrzehnte zeigt manche Schattenseite eines grenzen- und skrupellosen Kapitalismus auf. Neue Fragen. „Wohin steuert die Gesellschaftsordnung in der Globalisierung?“

Es gibt keine Ideologie mehr, die Orientierung verleihen könnte oder gar eine schnelle Antwort bereit hielte. Die Enkelin sieht die Vorteile darin, dass man dadurch möglicherweise misstrauischer und weniger verführbar sei, merkt aber auch an, dass sicherlich viel Kraft darin liegen könne, von einer Sache völlig überzeugt zu sein. Kraft, die man heute manchmal vermisst, weil man sie für notwendige Veränderungen gut gebrauchen könnte?

Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Das letzte Gespräch findet nur mehr zwischen Jana Simon und ihrem Großvater statt, ein halbes Jahr nach dem Tod Christa Wolfs. Für ihren Mann ist sie noch überall gegenwärtig, in ihren Büchern, in allem Schriftlichen, das sie hinterließ. Dies alles zu sichten, manches bislang Unveröffentlichte noch herauszugeben, wird ihn nach Vermögen noch sehr lange beansprucht halten. Er war der wichtigste Mensch in ihrem Leben. Nach dem Geheimnis ihrer Beziehung, die sich über sechzig Jahre als haltbar und tragfähig zeigte, gefragt, nannten beide das gemeinsame Schaffen, ihr gegenseitiges Sich-Ergänzen. Gerhard Wolf sah in seiner Frau immer auch die bedeutende Autorin und machte es sich zur Lebensaufgabe, sie zu fördern und zu unterstützen. Stets las er ihre Texte als Erster, sein Urteil war für sie unerlässlich. Er hingegen fühlte sich nie als in ihrem Schatten stehend, arbeitete stets zugleich an eigenen – weniger bekannten, aber keineswegs weniger interessanten – Projekten. Er erschloss ihr das ihr weniger vertraute Feld der Lyrik und das der Bildenden Kunst und schuf so einen – Christa Wolf wörtlich – „literarisch-künstlerischen Hintergrund“ für ihr gemeinschaftliches Leben und Arbeiten; sie nennt es „ein ganzes Geflecht, auf dem unser Leben ruht“, spricht von ihrer Partnerschaft als einer „idealen Verbindung“, in der jeder dem anderen etwas geben kann.

Christa Wolf ist gegangen. Sie fehlt. Als letzte Geleitworte hatte Gerhard Wolf ihr Verse aus einem Gedicht Paul Flemings, welches sie sehr mochte, mitgegeben. Dieses trägt den Titel „An sich“ und entstand zur keineswegs idyllischen Zeit des Dreißigjährigen Krieges:

„Sei dennoch unverzagt! Gib dennoch unverloren!
Weich keinem Glücke nicht, steh höher als der Neid,
vergnüge dich an dir und acht es für kein Leid,
hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.

Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren;
nimm dein Verhängnis an. Laß alles unbereut.
Tu, was getan muß sein, und eh man dir’s gebeut.
Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren.

Was klagt, was lobt man noch? Sein Unglück und sein Glücke
ist ihm ein jeder selbst. Schau alle Sachen an:
dies alles ist in dir. Laß deinen eitlen Wahn,

und eh du fürder gehst, so geh in dich zurücke.
Wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann,
dem ist die weite Welt und alles untertan.“

„Sei dennoch unverzagt“ lautet nun auch der Titel dieses sehr lesenswerten Buches. Wenn wir so wollen: Ein Vermächtnis.

Copyright: Bettina Johl

Jana Simon: Sei dennoch unverzagt. Gespräche mit meinen Großeltern Christa und Gerhard Wolf. Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2013. 288 Seiten, 19.99 €. ISBN 978-3-550-08040-1

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bücher, Buchbesprechung, Politik, Rezension

Happy Birthday LiteraturFreundIn!

Heute vor drei Jahren haben wir diesen Blog und die FB-Seite eingerichtet. Ein Dankeschön an unsere LiteraturfreundInnen überall auf der Welt!

Beherzigung

Ach, was soll der Mensch verlangen?
Ist es besser, ruhig bleiben?
Klammernd fest sich anzuhangen?
Ist es besser, sich zu treiben?

Soll er sich ein Häuschen bauen?
Soll er unter Zelten leben?
Soll er auf die Felsen trauen?
Selbst die festen Felsen beben.

Eines schickt sich nicht für alle!
Sehe jeder, wie er’s treibe,
Sehe jeder, wo er bleibe,
Und wer steht, daß er nicht falle!

Johann Wolfgang von Goethe

Image

3 Kommentare

Eingeordnet unter Bücher